08.06.2026 Autarker Offshore-Wasserstofferzeuger vorgestellt Der Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus besuchte das Projekt ProHyGen an der TU Hamburg Foto: TUHH/Bittcher Der Bedarf an grünem Wasserstoff – also Wasserstoff, der auf Basis erneuerbarer Energien gewonnen wird – wird in Zukunft erheblich steigen. Gründe dafür sind die zunehmenden Herausforderungen für die globale Energieversorgung und die Bemühungen zur Dekarbonisierung der Industrie. Aktuell aber sind die Erzeugungskapazitäten von grünem Wasserstoff in Europa sehr begrenzt. Schließlich muss parallel die Versorgung von Wirtschaft und Verbrauchern mit elektrischer Energie aus erneuerbaren Quellen realisiert werden. Um einen Beitrag zur sicheren und widerstandsfähigen Energieinfrastruktur der Zukunft zu leisten, hat das Institut für Fluiddynamik und Schiffstheorie (FDS) an der Technischen Universität Hamburg (TUHH) gemeinsam mit seinen Partnern eine schwimmende Wasserstofferzeugungseinheit entwickelt. Zu den Partnern zählen die CRUSE Offshore GmbH, der Lehrstuhl für Chemische Reaktionstechnik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), die RENK GmbH sowie die H&R GmbH & Co. KGaA. Vorhandene Infrastruktur kann genutzt werden Die innovative Einheit ist für Seegebiete außerhalb der potenziellen Standorte konventioneller Offshore-Windparks konzipiert. Das Forschungsvorhaben ProHyGen wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit einer Fördersumme von rund 1,5 Millionen Euro gefördert. Jetzt wurden dem Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus, Dr. Christoph Ploß, in einem Fachgespräch an der TUHH die Projektergebnisse vorgestellt. Auf einer schwimmenden Plattform wird die Energie zur Gewinnung des Wasserstoffs aus entsalztem Meerwasser mithilfe einer Windenergieanlage direkt erzeugt. Durch eine innovative Methode zur drucklosen Speicherung des Wasserstoffs auf Basis eines flüssigen organischen Wasserstoffträgers (LOHC) wird ein gefahrloser Transport mit geringfügig modifizierten konventionellen Tankschiffen ermöglicht. Auf diese Weise entsteht eine autarke Anlage zur Erzeugung und Speicherung von grünem Wasserstoff, die nicht in Flächenkonkurrenz zu anderen Wind- und Solaranlagen steht und zudem Kostenvorteile gegenüber der Produktion von Wasserstoff aus anderen erneuerbaren Energiequellen bietet. Durch die LOHC-Technologie kann die vorhandene Infrastruktur der Mineralölwirtschaft, Tankwagen, Tankschiffe, Tanklager und Tankstellen, genutzt werden – und dies bei einer niedrigeren Gefahrenklasse. Der mit Wasserstoff beladene LOHC ist nur schwer entflammbar und in die Wassergefährdungsklasse 2 eingestuft. An Land wird der Wasserstoff vom LOHC getrennt und steht damit als reiner Wasserstoff zur Verfügung. Der entladene LOHC kann zu der schwimmenden Anlage zurücktransportiert und erneut beladen werden. Vollständig autark, sehr gut skalierbar Durch die Integration der Energieproduktion auf dem schwimmenden Wasserstofferzeuger ist das System vollständig autark. Zudem ist das Konzept des schwimmenden Wasserstofferzeugers sehr gut skalierbar und kann in windreichen Seegebieten zum Einsatz kommen. Die aufgestellten Einheiten wären bei weltweitem Einsatz technisch in der Lage, einen Großteil des Bedarfs an grünem Wasserstoff kosteneffizient zu decken. Durch die autarke Energieversorgung des Wasserstofferzeugers mittels der integrierten Windenergieanlage ist die stetige Verfügbarkeit von erneuerbarem Strom gesichert. Auch die benötigte Wassermenge steht durch die Seewasserentsalzungsanlage stets zur Verfügung. Der Verzicht auf Netzanbindung, große Transformerplattformen und Unterseekabel trägt wesentlich zur Reduzierung der Investitionskosten bei. Die schwimmende Wasserstofferzeugungseinheit wird lediglich mit herkömmlichen Ankertrossen im Meeresboden verankert, wodurch der Einfluss auf die Umwelt minimiert wird. Im bis Ende 2026 laufenden Projekt ProHyGen wurde die Planung eines Prototyps für eine autarke Offshore-Wasserstofferzeugungseinheit mit 5 Megawatt Nennleistung sowie dessen Skalierung auf 15 Megawatt abgeschlossen. Zudem wurden die Vorplanung und Wirtschaftlichkeitsanalyse eines Wasserstoffparks in europäischen Seegebieten erstellt. Der nächste Schritt in Richtung grüner, resilienter Energieversorgung in Deutschland ist der Bau eines ersten Prototyps. Möglichkeiten der Realisierung wurden gemeinsam mit dem Koordinator für die maritime Wirtschaft sowie mit Industriepartnern erörtert.