Vadim Loskutov arbeitet als Journalist (Weltwoche, ZeroHedge) und betreibt den Politblog Russian Market (x.com/runews). 29.5.2026 Der selbsternannte Bitcoin-Messias Michael Saylor hat seine eigene Predigt verraten. Strategy, der grösste Corporate-Hodler der Welt, hat 32 BTC verscherbelt. Nur ein Tröpfchen im Ozean seiner 843’000 Münzen, offiziell für ein paar läppische Dividenden. Aber das reicht schon. Der „Never Sell“-Kult ist Geschichte, und der Markt hat den Verrat sofort gerochen. Bitcoin rauschte gestern gerade runter auf 62’000 US-Dollar, bevor sich der Krypto in der Nacht auf gut 64’000 Dollar erholte. Es ist der Moment, in dem die Illusion platzt. Jahrelang hat Saylor gepredigt, Bitcoin sei unantastbar, ein digitaler Gott. Jetzt zeigt sich: Auch der Papst muss irgendwann Liquidität organisieren. Und wenn selbst er bei fallenden Kursen verkauft, dann ist das kein harmloser Trim. Sondern das erste Knacken im Damm. Margin Calls lauern bereits. Die hoch gehebelten Positionen von Strategy sind kein Geheimnis. Bei weiterem Absturz wird aus dem kleinen Verkauf ein verzweifelter Ausverkauf – weil es muss, nicht weil es soll. Wer das noch immer für einen harmlosen Dip hält, sollte sich einmal anschauen, was gerade bei Partners Group passiert. Die feinen Schweizer Private-Markets-Könige müssen Redemptions in ihrem grossen Evergreen-Fonds deckeln, weil die Anleger panisch das Weite suchen. Die Aktie hat dafür saftig Prügel bezogen. Genau dasselbe Spiel läuft jetzt bei Bitcoin. Wenn die grossen Tiere plötzlich Geld brauchen und die illiquiden oder überhypedten Assets nicht mehr loswerden, wird es richtig eng. Nur dass Bitcoin kein Underlying hat, keine Cashflows, nichts – nur heisse Luft und Leverage. Dazu kommt das makroökonomische Gift, das derzeit in Strömen fliesst. Inflation galoppiert dank der Ölpreise und Trumps Iran-Abenteuer fröhlich voran. Zinssenkungen? Ein Witz. Stattdessen drohen sogar höhere Zinsen. Die überkauften Tech-Aktien und KI-Hype-Maschinen zeigen erste Ermüdungs-Erscheinungen, das Risikokapital rotiert weg. Und die Bitcoin-ETFs bluten seit Tagen Milliarden aus, als hätte jemand den Notausgang geöffnet. Die kalte Dusche nach dem längsten Bullenrausch: Die HODL-Jünger rufen noch lauter, je tiefer es geht, aber das ändert nichts an der Realität. Wenn die Margin Calls erst richtig klingeln und die grossen Seller ernsthaft in Panik geraten, dann wird 45’000 Dollar keine verrückte Prognose mehr sein, Sondern die logische, brutale Konsequenz. Helmets on, Bullen, die Party ist vorbei, die Rechnung kommt mit Zinsen. Teuren Zinsen.
Bitcoin-Guru verrät Ever-Holding-Strategie – Inside Paradeplatz