Es sind wichtige Massnahmen, mit denen sich mit Sicherheit einige Rädchen justieren lassen, nüchtern betrachtet aber werden sie wohl als Paket in eine Sackgasse geraten. Dies, weil besonders die Causa Frühpensionierung ein Schritt ist, der gerade bei Bürgerlichen für rote Köpfe sorgt, ausgerechnet bei jenen, die sich sonst stramm für eine generelle Erhöhung des Rentenalters stark machen. Das offenbart eine argumentative Elastizität, die sich wohl nur so erklären lässt: Einerseits erachten es manche Gutverdienende als ihr Privileg, sich möglichst früh aus der Erwerbstätigkeit zurückzuziehen und wollen sich diese Option auf keinen Fall nehmen lassen. Andererseits lässt sich das Potenzial der inländischen Arbeitskräfte mit einer Erhöhung des Rentenalters tatsächlich besser ausschöpfen, was wiederum als ein willkommener politischer Hebel zur Begrenzung der Zuwanderung ins Feld geführt wird. Die SVP macht im Rahmen ihrer 10-Millionen-Initiative keinen Hehl daraus. Der Graben zwischen Alt und Jung wird eifrig bewirtschaftet Das Knifflige ist: Diese Argumente sind nicht falsch, die Diskussionen darüber auch nicht. Doch zielen sie nicht darauf ab, die dringend notwendigen Debatten um eine Flexibilisierung des Rentenalters voranzutreiben, sondern beschränken sich grösstenteils auf parteipolitisches Marketing. Damit wird verhindert, dass Konventionen und Normen, die an der Zahl 65 festgemacht sind, hinterfragt und die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft älterer Menschen vorurteilslos evaluiert werden. Und es verhindert, dass wir als Gesellschaft neue Visionen davon entwickeln, wie wir künftig leben und arbeiten wollen - etwas, das gerade für jüngere Generationen richtungsweisend ist. Wenig hilfreich war in dieser Beziehung eine Analyse des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV) zur «Lifestyle-Teilzeit» von über Fünfzigjährigen, die in deren Weigerung, Vollzeit zu arbeiten, ein riesiges ungenutztes Arbeitskräftepotenzial verortet. Dass es 50-Plusser:innen gibt, die sich dafür entschieden haben, in einem Teilzeitpensum erwerbstätig zu sein, lässt sich kaum bestreiten. Auch nicht, dass es sich lohnen würde, genauer hinzusehen, um zu verstehen, weshalb viele dieser Arbeitnehmenden ihr Pensum freiwillig reduzieren. An der Analyse per se ist im Prinzip nichts auszusetzen. Doch ist die Bezeichnung «Lifestyle-Teilzeit» grundsätzlich negativ konnotiert und insofern symptomatisch für die mediale Gehässigkeit, mit der hierzulande über ältere Menschen diskutiert wird. Der Graben zwischen Alt und Jung wird eifrig bewirtschaftet. Zudem lenkt die anhaltende Polemik um die «Lifestyle-Teilzeit»-Analyse von einem sehr viel brennenderen Thema ab: Der Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach beruflichen Perspektiven von Menschen jenseits der 55 und einem Arbeitsmarkt, der diese lieber aussondert als einstellt. Wer über 50 ist und den Job verliert, findet oft nur schwer wieder eine neue Stelle. Menschen dieser Altersgruppe gelten häufig als zu teuer, zu unflexibel und zu wenig formbar. Ihre Bewerbungsdossiers werden frühzeitig aussortiert. Darüber hinaus steigt mit zunehmendem Alter das Risiko, statt einer Kündigung in die Frühpension geschickt zu werden – Fälle, die in der Regel in keiner offiziellen Arbeitslosenstatistik erscheinen.