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Drei Fragen – SOMMERATELIER

Prometheus Redaktion
Drei Fragen – SOMMERATELIER

Im Sommeratelier 2026 arbeitet die St. Galler Künstlerin Anita Zimmermann. Das Sommeratelier.ch stellt ihr zu Beginn drei wertvolle Fragen. A) Im Sommeratelier arbeitest du mit 100 kg Papier in den Räumen der Remise — Papier als roher Ausgangsstoff. Wie ist diese Idee zu dir gekommen und was ist deine Absicht? Ich habe das Papier als Schnäppchen bei Fischerpapier gekauft – ich bin Zeichnerin. Mittlerweile zeichne ich aber in der Remise auf Karton. Mich interessiert, was in diesem Sommer alles durch mich geschaffen wird. Als Künstlerin arbeite ich nicht nach einem Produktionsplan, den ich dann erfülle. Vielmehr interessiert mich, was in dieser Zeit entsteht. Die Remise ist ein ganz toller Ort und ist für mich zu einer intensiven Arbeitsinsel geworden. Die besonders grossen, spurenträchtigen Räume auf drei Etagen erzeugen eine tolle Energie. Im Hinblick auf die Ausstellung, die sich entwickelt, fokussiert sich mein Tun zunehmend auf eine Bodenarbeit. Im letzten Jahr haben wir in St. Gallen «das kleinste Skigebiet der Welt» eingerichtet. Wir waren vier Kunstschaffende im sog. «Grauen Himmel». Ich habe von diesem Projekt noch viel signalrote Restfarbe, die ich in meiner Sommerresidenz kräftig verwerte. Deshalb stehen nicht mehr die hundert Kilo Papier im Zentrum. Noch ungewiss, aber denkbar: Ein Teil des Papiers und meine 500 verschiedenen Farbstifte könnten von Jung und Alt in Ad-hoc-Workshops zum Einsatz kommen. B) Eines deiner Zitate aus deine Website heisst: „Zeichnen passiert im Kopf.“ Wie verhält sich diese erweiterte Definition von Zeichnung zur Tradition des Zeichnens als flüchtiger, unmittelbarer Geste, und was bedeutet es für die Leute von Weinfelden, beim besuch vielleicht ein Teil einer solchen konzeptuellen Zeichnung zu werden? «Zeichnen passiert im Kopf» muss ich erklären: Seit 12 Jahren arbeite ich an einer imaginären Kuratorin, die ich spiele. Sie heisst Leila Bock und bringt Kunst von Künstler*innen aus «üserer Region» in die Show. Sie ist meine grösste künstlerische Arbeit innerhalb all meiner Zeichen-Werke. Seit 12 Jahren sind es performative Auftritte in baufälligen Häusern, die ihr zur Endnutzung zur Verfügung gestellt werden. Aber momentan bin ich als Anita Zimmermann am Malen in der Remise. Mich interessiert der unterschiedliche Blick. Zeichnung ist eine Art erzählerischer Reduktion von etwas; bei der Malerei dagegen bildet sich etwas Unkonkretes aus der Fläche heraus. Jeder Pinselstrich ist eine Entscheidung. Diese für mich neuen Prozesse berühren mich, und ich habe schon grosse Fortschritte gemacht. C) Papier ist zugleich Träger von Schrift, Erinnerung, Bürokratie und Vergänglichkeit — es trägt eine eigene kulturelle DNA. Welche „papierenen Schichten“ der Stadt Weinfelden interessieren dich? Wenn ich arbeite, bin ich ganz bei mir. Gedanken an Papier als Träger oder Mittel für verschiedene Funktionen sind dabei gänzlich ausgeschaltet. Kunstschaffen ist ein Antrieb, dem ich mich nicht widersetzen kann und der auch nicht wirtschaftsbezogen funktioniert. Es ist ein Prozess im Hier und Jetzt, der sich zwischen bewussten Entscheidungen und dem Sich-selber-Überraschen-Lassen bewegt. In Weinfelden geniesse ich die Exklusivität der Einladung und damit verbunden die Begegnungen und spannenden Gespräche mit interessierten Besucherinnen und Besuchern, die es wagen, den Kopf in die Remise zu halten. Ich spüre, dass dies einen «guten Gutsch» Mut braucht. Ähnliche Beiträge

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