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Flughafen Genf: «Middle East PAX-Volumen derzeit bei 35-40%»

Prometheus Redaktion
Flughafen Genf: «Middle East PAX-Volumen derzeit bei 35-40%»

Jean-François de Saussure ist seit dem 1. November 2025 Generaldirektor des Genève Aéroport AIG. Der Generaldirektor war vor Stellenantritt am Flughafen in verschiedenen Unternehmen international als Manager tätig, wenn auch nicht in der Luftfahrtbranche. Er ist im Verwaltungsrat mehrerer Stiftungen und Organisationen. In einem Interview in der neuesten Ausgabe von «SkyNews.ch» – Das Magazin der Schweizer Luftfahrt – gibt der Flughafenchef dem Chefredaktor Eugen Bürgler einige auch für die Reisebranche interessante Aussagen. Diese hat TRAVEL INSIDE nachstehend ausgesucht. Jean-François de Saussure, wie stark hat sich der Krieg im Mittleren Osten auf den Flughafen Genf ausgewirkt? Wir haben diesen Konflikt stark gespürt. Viele Passagiere, die früher über die Drehkreuze der Golf-Carrier nach Asien reisten, bevorzugen heute nach Möglichkeit Direktflüge. Darüber hinaus hat die Golfkrise die gesamte Luftfahrtindustrie getroffen. Die Airlines verzeichneten insbesondere im April und Mai deutlich schwächere Buchungszahlen. Im April in Genf allein gab es nahezu 400 Flugannullierungen. In Zeiten der Unsicherheit verschieben viele Menschen nicht zwingend notwendige Reisen oder verzichten ganz darauf. Haben die Golf-Airlines die Verbindungen nach Genf wieder vollständig aufgenommen und wie ist die Nachfrage auf diesen Strecken? Vor kurzem ist Kuwait Airways als letzte Airline aus der Region, die Genf im Flugplan hat, wieder zurückgekehrt. Emirates, Etihad und Qatar Airways haben ihren Betrieb bereits früher wieder aufgenommen, allerdings noch nicht mit denselben Frequenzen wie zuvor. Insgesamt liegen wir aktuell im Vergleich zur Zeit vor der Krise bei rund 50% der Flugbewegungen aus dem Mittleren Osten. Die Auslastung ist jedoch weiterhin niedriger. Wir erreichen derzeit etwa 35% bis 40% des früheren Passagieraufkommens. Die Verbindungen in den Mittleren Osten machten früher etwa 5% bis 6% aller Flugbewegungen und 6% bis 7% des Passagiervolumens des Flughafens Genf aus. Vor der Krise verzeichneten wir monatlich zwischen 80’000 und 100’000 Passagiere auf diesen Strecken – aktuell liegen wir eher bei 25’000 bis 30’000 Passagiere pro Monat. Werden saisonale Sommerverbindungen von Airlines wie Flynas oder Gulf Air trotzdem aufgenommen? Ja, diese Flüge sind weiterhin geplant. Wir rechnen auch damit, dass die wichtigen Besucher aus dem Nahen Osten im Juli und August zurückkehren werden. Unsere Prognosen für die Sommersaison sind insgesamt positiv. Wird am Flughafen Genf im Sommer genügend Kerosin vorhanden sein? Ja, wir werden genügend Kerosin zur Verfügung haben. Aktuell liegen uns keinerlei Hinweise auf mögliche Engpässe bis September vor. Das Versorgungssystem des Flughafens Genf unterscheidet sich stark, zum Beispiel von jenem von Zürich. Wir sind an die Pipeline angeschlossen, die von Fos-sur-Mer bei Marseille über Valence, Lyon und Besançon bis ins Oberrheingebiet führt. Unser Tanklager in Vernier, wo wir über Reserven verfügen, wird direkt von einem Anschluss an diese Pipeline gespiesen. Heute sehen wir deshalb keinen Anlass zur Sorge. Der Genève Aéroport hat als einziger der Schweizer Landesflughäfen das Vor-Pandemie-Niveau noch nicht erreicht. Woran liegt da? Es stimmt, 2025 lagen wir noch leicht unter dem Niveau von 2019. Aber wir erwarten die vollständige Erholung von diesem Einbruch im laufenden Jahr, wir rechnen für 2026 mit einem Wachstum von 1% bis 2%. Der Hauptgrund für die langsamere Erholung liegt in den Budgetkürzungen internationaler Organisationen. Rund 10% bis 15% der Mitarbeitenden internationaler Organisationen haben ihren Arbeitsplatz verloren, für die verbliebenen gibt es deutliche Reiseeinschränkungen. Das hat uns bereits in der zweiten Hälfte von 2025 stark betroffen und wirkt sich heute noch aus. Die Zahl der Konferenzen ist dagegen stabil geblieben: Genf zählt weiterhin rund 5000 Konferenzen pro Jahr. Die Delegierten reisen also weiterhin an. Rückläufig sind vor allem die Reisen der Mitarbeitenden internationaler Organisationen und NGO. Zudem ist unser Einzugsgebiet kleiner und wohl gesättigter als jenes von Zürich oder Basel. Dazu kommt: unsere Infrastruktur – insbesondere die einzige Start- und Landebahn – ist bereits stark ausgelastet. Deshalb wird unser Wachstum auch künftig eher qualitativ als quantitativ erfolgen: grössere Flugzeuge und bessere Auslastung statt mehr Bewegungen. Tatsächlich beobachten wir genau das 2026 bereits das dritte Jahr in Folge, die Zahl der Flugbewegungen sinkt, während die Passagierzahlen steigen. Bedroht der einschneidende Budgetdruck bei vielen internationalen Organisationen den Genfer Luftverkehr in seiner heutigen Form? Die Passagiergruppe aus dem Umfeld der internationalen Organisationen bleibt für den Genève Aéroport äusserst wichtig. Die Präsenz der internationalen Organisationen in Genf ist derzeit nicht gefährdet. Für uns hat es deshalb höchste Priorität, jene Verbindungen sicherzustellen, die es internationalen und nichtstaatlichen Organisationen sowie multinationalen Unternehmen ermöglichen, in Genf präsent zu bleiben. Gleichzeitig gibt es andere, für uns sehr bedeutende Wirtschaftssektoren – etwa Handel, Finanzwesen, Chemie, Biomedizin oder die Uhrenindustrie. Die internationale Anbindung des Flughafens ist für das internationale Genf und für die Wirtschaft der Region von zentraler Bedeutung. Wiederholt tauchen Meldungen auf, wonach die Swiss Mühe damit hat, in Genf schwarze Zahlen zu schreiben und deshalb auch in der Lufthansa-Konzernzentrale ein Rückzug aus Genf zum Thema wurde. Wie wichtig ist Swiss für Genf? Ein Abbau der Swiss-Präsenz wäre eine sehr schlechte Nachricht für Genf und insbesondere für das internationale Genf. Für uns ist es entscheidend, eine starke Präsenz der beiden nationalen Fluggesellschaften Swiss und Easyjet Switzerland zu erhalten. Während der Marktanteil von Easyjet bei rund 46% liegt, hält Swiss relativ stabil einen Marktanteil von etwa 12% bis 13%. Wir stehen in engem Kontakt mit der Swiss-Geschäftsleitung, um sinnvolle Verbindungen ab Genf aufrechtzuerhalten. In den vergangenen sechs Monaten hat Swiss ihren Flugplan sehr geschickt angepasst und sich stärker auf wichtige Geschäftsreiseziele konzentriert. Das zeigt Wirkung. Ohne das Streckennetz in Genf wesentlich zu reduzieren, hat die Airline – insbesondere durch eine bessere Abstimmung mit Lufthansa auf Strecken wie München oder Frankfurt – ihre Ergebnisse in Genf verbessern können. Deshalb sind wir eher optimistisch, was den Erhalt und sogar den Ausbau bestimmter Verbindungen betrifft. Welche Destinationen würden Sie gerne neu ins Streckennetz aufnehmen? Gibt es konkrete Projekte? Ja, wir haben aktuell mehrere interessante Entwicklungen. Neu hinzugekommen ist zum Beispiel die Verbindung mit Anima Wings nach Bukarest und Mitte Juni wird Air Europa die Flüge nach Madrid aufnehmen, was besonders interessant ist, weil die Airline über ein sehr starkes Netzwerk nach Mittel- und Südamerika verfügt. Parallel arbeiten wir an neuen Langstreckenverbindungen. Das wichtigste Projekt ist derzeit eine Direktverbindung Genf-Singapur mit Singapore Airlines, die wir nächstes Jahr aufnehmen möchten. Dafür besteht aus diplomatischen und wirtschaftlichen Kreisen eine sehr starke Nachfrage. Ausserdem arbeiten wir mit unserem Partner Air Canada zusammen. Die Airline bedient bereits Montréal und möchte die Kapazität dort erhöhen, später dann auch Toronto aufnehmen. Ein drittes wichtiges Projekt betrifft São Paulo. Gemeinsam mit Latam prüfen wir die Einführung einer Direktverbindung nach Brasilien, denn aktuell verfügt Genf über keine Direktverbindung nach Südamerika. Interview: Eugen Bürgler, Max Fankhauser, SkyNews.ch

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