In Gipf-Oberfrick wird bald ein Oratorium des Barock-Komponisten Georg Friedrich Händel aufgeführt. Der Dirigent erzählt, worum es im Werk namens «Solomon» geht. Für die Aufführung arbeitet er auch mit dem Projektchor SMW der reformierten Kirche Frick zusammen. «Zwei» ist das Thema, das sich wie ein roter Faden durch die neueste Aufführung des Projektchors SMW der reformierten Kirche Frick zieht. Es gibt zwei Aufführungen, eine in Bern, eine in Gipf-Oberfrick. Der Projektchor SMW singt mit dem Singkreis Wohlen bei Bern. Bei diesem handelt es sich um einen befreundeten Chor, ebenfalls unter der Leitung von Dieter Wagner, mit dem der Projektchor Frick schon mehrere Aufführungen realisiert hat. Die zwei Chöre bilden einen Klangkörper mit 160 Sängerinnen und Sängern. Hinzu kommen Gastsängerinnen und Gastsänger und ein kleines Orchester. «Die Kirche St. Wendelin ist für diese Aufführung ideal, weil die Chöre stereo auftreten können», erklärt Projekt- und Chorleiter Dieter Wagner. Kinderwunsch – bis heute aktuell «Zwei» ist auch das Thema des Oratoriums an sich. Es geht um die alttestamentarische Geschichte, in der sich zwei Frauen um ein Kind streiten. Beide behaupten, es sei ihres. Der Richter steht vor einer schwierigen Entscheidung und fällt ein Urteil, das zur Wahrheit führt. Die Frauen sollen das Kind mit einem Schwert in zwei Teile teilen. Da gibt die echte Mutter nach, denn sie sieht ihr Kind lieber bei einer fremden Frau aufwachsen, als dass es stirbt. Mit diesem Urteil hat der Richter die echte Mutter erkannt. Salomon geht als weiser Richter in die Geschichte ein. Die Geschichte ist bis heute dramatisch, aufwühlend und spannend. Der Grafiker hat für das Plakat die Farben Rot und Weiss gewählt. Rot für Dramatik und Blut, Weiss für Reinheit. Das Plakat zeigt eine Richterszene, im Hintergrund der nachdenkliche Salomon (englisch Solomon), vorne die zwei Frauen. Auch für Georg Friedrich Händel (1685-1759) fiel die Komposition (1748) in eine dramatische Zeit seines Lebens. «Händel war mit seinen Auftragswerken für die englische Königsfamilie und mit italienischen Opern lange Zeit äusserst erfolgreich gewesen, doch dann hatte der Adel genug von italienischen Opern. Sie wollten unterhaltsame, leichte Werke in englischer Sprache hören», erzählt Wagner. «Händel, selbständiger Unternehmer, geriet mit zwei Opernunternehmen in finanzielle Schwierigkeiten, ja, ging sogar Konkurs.» Wie ein Phönix aus der Asche Doch bald ging es wieder aufwärts: Händel begann, englischsprachige Oratorien mit Geschichten aus dem Alten Testament zu schreiben, in einer Sprache, die die Engländer verstanden, und er konnte damit an den Erfolg seiner früheren Werke anknüpfen. Eines dieser Oratorien ist «Solomon» (1748). «Berühmt davon ist vor allem das Instrumentalstück ‹Einzug der Königin Saba›», erzählt Wagner. Auch diesmal konnte Wagner international renommierte Sängerinnen und Sänger gewinnen, in den beiden Hauptrollen Kathrin Hottiger und Bénédicte Tauran im Sopran, ebenso ein kleines, aber feines Orchester, «La Contessa». «Das Orchester spielt mit historischen Instrumenten, die anders klingen als unsere modernen Instrumente», betont Wagner. Das Konzert findet am Sonntag, 28. Juni, um 17 Uhr in der katholischen Kirche St. Wendelin in Gipf-Oberfrick statt. Eine Einführung beginnt um 16.30 Uhr.