Am zweiten Donnerstag nach Pfingsten feiert die katholische Kirche Fronleichnam. Dank des Feiertags können sich viele Freiämterinnen und Freiämter über einen zusätzlichen freien Tag freuen. Doch was steckt hinter dem Fest, dessen Name oft missverstanden wird? Was wie «froher Leichnam» tönt, hat mit Trauer oder Tod nichts zu tun. Tatsächlich erinnert die katholische Kirche mit dem Fest an die Gegenwart von Jesus im Sakrament der Eucharistie, also in der Hostie. Der Name leitet sich aus dem Althochdeutschen ab. Dabei steht «vron» für «den Herr betreffend» und «licham» für «Leib». Übersetzt ergibt das «Leib des Herrn». Hätten Sie das gewusst? Wenn nicht, sind Sie damit nicht allein. Bei einer Umfrage in Muri und Wohlen gerieten viele ins Grübeln. Stefanie Bochsler, 39, Nesselnbach «Ja, da geht es angeblich um die Präsenz von Jesus in der Hostie. Das weiss ich aber nur, weil meine Kinder mich gefragt haben. Die haben dann frei und wunderten sich, was der Grund dahinter sei. Da musste ich mich schnell informieren. Meine Kinder ministrieren: Der Bezug zur Kirche ist in unserer Familie also gegeben.» Elfriede und Sigmund Kottmann, 80 und 81, Hägglingen «Fronleichnam? Ja, das sagt mir noch etwas. Wird wohl etwas mit Jesus zu tun haben ( lacht). Als Kind habe ich die Prozessionen miterlebt, die an Fronleichnam stattfanden. Ich bin im erzkatholischen Thurgau aufgewachsen. Im Religionsunterricht habe ich vom Priester mal eins auf die Ohren bekommen, als ich den päpstlichen Spruch «Urbi et Orbi» mit «nüt und wieder nüt» übersetzte. Dabei hatte ich nur nachgeplappert, was mein Onkel mir beigebracht hatte. Heute gehen mein Mann und ich nur noch selten in die Kirche. Was mir gefällt, ist das gemeinsame Singen. Allgemein wünsche ich mir mehr Action in den Gottesdiensten!» Dennis Lehmann, 48, Küssnacht am Rigi (SZ) «Ich wohne im katholisch geprägten Kanton Schwyz. Fronleichnam ist dort ein Feiertag und meine zwei Kinder haben frei. Als sie mich fragten, was der Grund dahinter sei, musste ich selbst kurz nachschauen, was an Fronleichnam gefeiert wird. Ich bin ursprünglich evangelisch und meine Frau katholisch. Wir besuchen die Kirche kaum. Ich finde es aber trotzdem wichtig, dass die Kinder einen Bezug zur Religion vermittelt bekommen und vielleicht einen eigenen Zugang dazu finden. Deshalb besuchen sie auch den Religionsunterricht.» Manuela Stöckli, 32, Muri «Das sollte ich eigentlich wissen, denn ich bin katholisch ( lacht): Bei Christi Himmelfahrt, und Maria Empfängnis weiss ich, was gefeiert wird. Einmal abgesehen von Ostern, Weihnachten und dem Aschermittwoch. Letzteren kennt man ja bei uns in Muri vor allem wegen der Fasnacht. Aber Fronleichnam… Nein, dazu fällt mir nichts ein. Meine Familie ist nicht streng religiös, aber wir pflegen gewisse religiöse Bräuche, etwa den jährlichen Osterbrunch mit der ganzen Familie.» Simon Käch, 57, Muri «Was Fronleichnam bedeutet? Keine Ahnung. All diese religiösen Feiertage! Offen gesagt, kann ich damit wenig anfangen. Und nein, ich bin auch kein Fasnächtler. Ich bin zwar katholisch, aber die Religion hat heute keinen grossen Stellenwert für mich. Aus meiner Sicht wären kantonale Feiertage, die überall gelten, viel sinnvoller.» Andrin Gaberthüel, 19, Muri «Ich habe mein Grossi oft gefragt und weiss trotzdem nicht, was an Fronleichnam gefeiert wird. Mein Bezug zur Religion hält sich in Grenzen. Den Religionsunterricht habe ich immerhin besucht. Zudem bin ich seit vier Jahren Jubla-Leiter. Die Jungwacht Blauring hat ja selbst auch einen religiösen Hintergrund. Davon bekommt man aber wenig mit, ausser bei den Gottesdiensten, die zweimal pro Jahr stattfinden – wenn man überhaupt geht.»