Wladimir Solowjow beschrieb den Antichristen nicht als offensichtlichen Tyrannen, sondern als einen gebildeten, friedlichen und humanitären Menschen, der Einheit, Fortschritt und eine bessere Welt verspricht. Die eigentliche Gefahr besteht nach Solowjow darin, dass Gott dabei aus dem Zentrum verdrängt wird und der Mensch selbst zum höchsten Maßstab wird. Wenn ich auf die moderne westliche Welt blicke, erkenne ich Parallelen zu dieser Warnung. Immer häufiger scheint die Frage nicht mehr zu sein, was wahr ist oder was Gott will, sondern was der Einzelne möchte. Traditionen, Religion und kulturelle Wurzeln verlieren an Bedeutung, während Selbstverwirklichung zum höchsten Ziel erklärt wird. Eine Gesellschaft, die ihre Wurzeln vergisst und den Menschen an die Stelle Gottes setzt, läuft Gefahr, ihre Orientierung zu verlieren. Fortschritt allein kann nicht ersetzen, was durch Glauben, Demut und geistige Werte getragen wurde.