Zum Interview mit Solowjow: Köppel feiert den russischen TV-Prinzipal als „rhetorische Naturgewalt“ mit „schauspielerischen Fähigkeiten“ und vergisst dabei charmant, dass man diese Talente im Westen schlicht als staatlich geprüftes Propaganda-Handwerk bezeichnet. Zum Vorwurf der westlichen Einheitsmeinung: Während er den westlichen Medien vorwirft, eine gleichgeschaltete „Prawda“ zu sein, schätzt er die russische Medienlandschaft offenbar als bunte Oase der unzensierten Meinungsvielfalt. Zur historischen Parallele mit Pearl Harbor: Um zu erklären, dass eine verzweifelte Großmacht gefährlich ist, zieht er den japanischen Angriff von 1941 heran – und landet im selben Atemzug natürlich beim unlizenzierten Geniestreich von Schweizer Bürhle-Kanonen in der Schlacht von Midway. Zu seiner Charakterisierung von Putin: Den Kremlchef beschreibt Köppel fast schon psychotherapeutisch als introvertierten „Zögerer“, der sich eben gelegentlich in den „grummelnden Schmollwinkel“ zurückzieht – ein wahrlich niedliches Bild für jemanden mit Atomkoffer. Zur Lage von Selenskyj: Für Köppel hat der ukrainische Präsident auf ganzer Linie versagt, weil er die Unverschämtheit besitzt, sein Land nicht einfach vertragsgemäß an den mächtigeren Nachbarn zu übergeben. Zum gefallenen Begriff des „Palantírs“: Dass er betont, man dürfe den sehenden Stein aus Der Herr der Ringe heute „nicht mehr gefahrlos erwähnen“, lässt vermuten, dass die Cancel Culture mittlerweile selbst in den tiefen Minen von Moria wütet. Zu Einsteins Definition von Wahnsinn: Wenn Köppel der EU-Elite mit einem Einstein-Zitat klinischen Wahnsinn attestiert und direkt danach glaubt, in seinem 25-Minuten-Monolog seien „erst 45 Sekunden vergangen“, gewinnt die Relativitätstheorie der Zeit eine völlig neue Dimension. Zum Fall Henry Nowak und „Wokeismus“: Einen tragischen Kriminalfall aus Großbritannien nutzt er zielsicher, um der britischen Polizei zu unterstellen, sie würde im Namen der Woke-Ideologie lieber das Opfer verhaften als den Täter. Zur Entschuldigung von Wim Wenders: Dass sich der Regisseur nach Jahrzehnten bei Nastassja Kinski für Nacktaufnahmen als Minderjährige entschuldigt, verbucht Köppel unter der Rubrik „Sachen, die man im Zuge des allgemeinen Kulturverfalls wohl auch noch erwähnen muss“. Zum finalen Spendenaufruf: Nach einer halben Stunde apokalyptischer Weltkriegswarnungen freut sich Köppel über die finanzielle Unterstützung per „Super Thanks“ und beweist, dass echter Schweizer Geschäftssinn auch beim drohenden Weltuntergang nicht wegzudenken ist.