Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon. 6.6.2026 Wieder einmal ist es soweit: Zwei Rosstäuscher der besonderen Art haben sich vorgenommen, auf Kosten der Allgemeinheit extrem reich zu werden. Donald Trump, der mit MAGA, „Make America Rich Again“, zum US-Präsidenten wurde, hat sein Ziel im Ansatz schon erreicht. Zur Halbzeit seiner zweiten Amtszeit ist sein Vermögen wieder auf über 6 Milliarden USD angestiegen. Er will aber mehr, viel mehr. Elon Musk, der bereits reichste Mann der Welt, will in den nächsten Tagen allen Menschen auf dem Globus für 135 Dollar pro Stück seine SpaceX-Aktien verkaufen und damit 85 Milliarden kassieren. Er verspricht, der Erste mit einer Siedlung auf dem Mond zu sein. 2028, zwei Jahre vor den Chinesen, die 2030 das gleiche Projekt angesagt haben. Eine 3-Tage-Reise auf den Mond wird machbar sein, der Aufbau einer Forschungsstation dort ebenfalls. Einige Raketen werden bei den Flügen verunfallen, ganz wie jedes dritte Handelsschiff, das im Mittelalter zwischen Indien und Europa verkehrte. Donald Trump, Verbündeter von Elon Musk, gibt sich alle Mühe, die Welt an Kollateralschäden zu gewöhnen. Das gehört einfach dazu, wenn man MAGA verspricht. Elon Musk ist ein Geschichtenerzähler wie der blinde Odysseus, dessen Sagenwelt im östlichen Mittelmeer zweitausend Jahre nach den ersten Niederschriften der Odyssee Substanz erhielt, aber andere als von dem Autor oder den Autoren im alten Griechenland erdacht. Ob die Schweiz, wo viele schon vom Trump-Taumel erfasst worden sind, auch dem Musk-Taumel verfallen wird? Es ist anzunehmen. An der Spitze die Schweizerische Nationalbank, die es sich nicht nehmen lassen wird, für etliche Milliarden Dollar SpaceX-Aktien zu kaufen. Unsere Pensionskassen und andere Grossgeld-Horter werden ihrem Vorbild folgen und ebenfalls Elon Musk bereichern. Selbstverständlich werden auch einige tausend Spekulanten, die schon beim Bitcoin viel Geld verloren haben, ihre letzten Immobilien verkaufen, um bei Musk einzusteigen. Schon nennt Markus Somm („Nebelspalter“), der eigentlich ein vernünftiger Mensch ist, Musk den „Kolumbus des 21. Jahrhunderts“. Welcher Unsinn. Wie Donald Trump den Beginn des Untergangs der 250-jährigen USA bedeutet, worauf Xi Jinping mit grosser Geduld einfach wartet, wird Elon Musk seine von den Staaten finanzierten Raketen ins All senden. Wie daraus ein Gewinn für die Aktionäre werden soll, bleibt vorläufig rätselhaft. Im besten Fall wird es 100 Jahre dauern, ehe Dividenden bezahlt werden können. „Wir müssen es einfach tun“, sagen bereits viele Politiker und Diplomaten, die es gewohnt sind, auf Kosten ihrer Völker gut zu leben – „denn die Chinesen dürfen diesmal nicht schneller sein“. Die meisten Schweizer, Europäer und US-Amerikaner haben das neue China des 20. Jahrhunderts brutal unterschätzt. Weil die Chinesen, freiwillig oder nicht, einfach fleissiger und oft auch intelligenter als wir sind, fahren sie jetzt unsere Industrien an die Wand. Zuerst die Automobilindustrie, dann die Robotik, die IT und den Maschinenbau, auf den wir einmal so stolz waren. Spricht das für Musk und seine Aktie? Der Tesla war eine grossartige Entwicklung, aber er fährt längst den E-Skodas und den chinesischen Autos hinterher. Wer jetzt zu früh in das US-Geschäft mit der Weltraumfahrt einsteigt, läuft Gefahr, sein Geld zu verlieren. Die verarmenden USA sind ohnehin kaum in der Lage, ein derartiges Projekt mit Steuergeldern zu finanzieren, es sei denn auf Kosten ihrer leidenden Mitelstands-Bevölkerung. Was ist die Steigerung einer Vision? Seit zwei Generationen habe ich gelehrt: Die Steigerung einer Vision ist die Halluzination. Wir sollten nicht darauf hineinfallen.