Stand Up Paddeln und Kanufahren kann Wasservögel und andere Wildtiere empfindlich stören. Zwar wird der Sport oft leise und bedächtig ausgeübt. Doch Erfahrungen zeigen, dass Tiere die menschliche Silhouette und die Bewegungen als bedrohlich wahrnehmen. Besonders wichtig ist, dass man sich vor dem Wassersport informiert, wo Ein- und Auswasserstellen liegen und, ob es am entsprechenden Gewässer Schutzgebiete gibt. Immer mehr Menschen praktizieren Stand Up Paddeln und Kanufahren. Weil die Sportart nahezu geräuschlos erfolgt, wird deren Störpotenzial für Tiere unterschätzt. Insbesondere Wasservögel nehmen jedoch die Silhouette und die Bewegungen von Paddelnden als Bedrohung wahr. Sie können bereits auf einen einzelnen Paddelnden in 1000 m Abstand mit Flucht reagieren. Das kann ihr Überleben und ihren Fortpflanzungserfolg beeinträchtigen, berichtet Pro Natura Schweiz in einer Medienmitteilung. Stand Up Paddeln und Kanufahren wird ganzjährig und insbesondere auch im flachen Wasser in Ufernähe ausgeübt. So gelangen Menschen in bisher wenig gestörte Gebiete. Durch die Störwirkung werden wichtige Lebensräume und insbesondere Brut- und Rastgebiete gefährdet. Die Kampagne «Aufs Wasser mit Rücksicht» des Vereins «Natur & Freizeit» (ein Zusammenschluss von Sport-, Freizeit- und Naturschutzakteuren) setzt sich diesen Sommer an 12 Schweizer Seen für einen rücksichtsvollen Wassersport ein: Ägeri-, Bieler-, Genfer-, Greifen-, Lauerzer-, Murten-, Pfäffiker-, Sihl-, Türler-, Wohlen-, Zuger- und Zürichsee. Die Schweizerische Vogelwarte hat bereits 2020 gemeinsam mit dem Schweizerischen Kanu-Verband, Pro Natura, der Jagd- und Fischereiverwalter-Konferenz und dem Bundesamt für Umwelt BAFU Empfehlungen erarbeitet, wie Paddelnde ihre Störungen reduzieren und so den Stress für die Tiere verringern können. Besonders wichtig ist, dass man sich vor dem Wassersport informiert, wo Ein- und Auswasserstellen liegen und, ob es am entsprechenden Gewässer Schutzgebiete gibt. Regeln: Orte mit wenig Störpotenzial auswählen Offene Wasserflächen, wenn keine Wasservogeltrupps zu sehen sind Siedlungsbereiche und Gebiete mit Uferverbauungen Rücksichtsvoll paddeln Nicht direkt auf Vögel zusteuern und diese nicht verfolgen. Nicht durch Ufervegetation ans Gewässer gelangen. Öffentliche Ein- und Auswasserungsstellen sowie Rastplätze nutzen. Abstand vergrössern, wenn Vögel eine Reaktion zeigen (z. B. Wegschwimmen). Nicht nachts paddeln. Wasservögel sind auch dann empfindlich. Sensible Gebiete meiden Vor ausgedehnten Schilfgürteln. Hier leben insbesondere im Frühling und Sommer störungsanfällige Vögel, die bereits auf grosse Distanz empfindlich reagieren. Im Sichtbereich von Wasservogeltrupps. Wenn ein erster Vogel flieht, fliegt oft der ganze Schwarm auf. Kiesinseln und Aufschüttungen. Sie dienen störungsempfindlichen Vögeln als Brut- und Rastplatz. Mündungsbereiche von Fliessgewässern. In Hitzeperioden sind sie oft der letzte kühle Rückzugsort für Fische. Paddeln unterlassen In Naturschutzgebieten sowie deren Umgebung. Meist sind die Gebiete mit gelben Bojen oder Schildern markiert. In Wasser- und Zugvogelreservaten und deren Umgebung. Hier brüten, rasten und überwintern gefährdete Vogelarten. Bestände von Wasserpflanzen wie Schilf, Binsen und Seerosen dürfen nicht befahren werden. Erstveröffentlichung: Juli 2021, aber noch immer aktuell. Der Beitrag wurde seitdem leicht überarbeitet.