Die im Februar bekanntgemachten Fusionsverhandlungen zwischen der französischen EPC Groupe und dem zivilen Sprengstoffgeschäft der SSE Holding sind geplatzt. Am 2. Juni meldete die an der EuroNext kotierte EPC Groupe, dass zwar bei der wechselseitigen Due Diligence die finanzielle Stärke der beiden Gesellschaften bestätigt wurde, doch Differenzen zur Post-Merger Governance dazu geführt haben, dass die Fusion nun abgesagt wurde. Ist dieses Ergebnis der Verhandlungen nun positiv oder negativ für die SSE Holding und ihre Aktionäre? Tatsache ist, dass die Verhandlungen aus einer Position der Stärke auf beiden Seiten geführt worden sind. Die Aktie der SSE Holding hat nach der Ankündigung der Merger-Gespräche leicht zugelegt – und auch nach der Bekanntgabe des Endes der Verhandlungen minim gewonnen. Ende der Fusionsverhandlungen Auf Anfrage von schweizeraktien.net bestätigte der Verwaltungsratsdelegierte Daniel Antille das Ende der Merger-Gespräche. Konkret erklärt Antille dazu: «Trotz konstruktiver und respektvoller Verhandlungen ist es uns nicht gelungen, einen Governance-Rahmen zu definieren, der den Erwartungen aller Aktionäre gerecht geworden wäre und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen strategischer Führung, Stabilität und den Interessen sämtlicher Stakeholder sichergestellt hätte.» Dennoch bleibt eine zukünftige Wiederaufnahme der Verhandlungen durchaus möglich. Dazu sagt Antille: «Sollten sich die strategischen Positionen nach einer sinnvollen und notwendigen Phase der Reflexion künftig wieder annähern, bleibt die Möglichkeit einer erneuten Prüfung eines Zusammenschlusses grundsätzlich bestehen.» Die Beteiligung der SSE Holding von 4% an der EPC Groupe bleibe bestehen. Beide Gesellschaften wollen nun weiterhin ihre Ziele auf stand-alone Basis verfolgen und ihre jeweils führende Marktstellung ausbauen. Rentabilität steigt Wie gut die SSE Holding allein zurechtkommt, zeigt sich erneut im eben vorgelegten Jahresabschluss für 2025. Bei einem stabilen Umsatz von 179 Mio. CHF wurde das EBITDA um 12,9% auf den Rekordwert von 29.2 Mio. CHF gesteigert. Der Jahresgewinn nahm sogar um 91% auf 14.8 Mio. CHF zu. Die Rentabilität verbesserte sich somit das achte Jahr in Folge. Vor dem Hintergrund der starken Geschäftszahlen wird der GV eine Erhöhung der Dividende um 15 CHF auf 125 CHF je Aktie vorgeschlagen. Geschäftsbereich Feinchemie Bei der Feinchemie-Tochter Valsynthèse betrug das Umsatzwachstum 21% auf nun 37.3 Mio. CHF. Wachstumstreiber ist die Auftragsproduktion des Futtermittelzusatzes “Bovaer” für die fusionierte dsm-firmenich, deren Aktie seit 21. Mai auch an der SIX kotiert ist. Bezeichnenderweise hat dsm-firmenich Bovaer im eigenen Portfolio behalten, obwohl die Sparte Tiernahrung und Gesundheit vor kurzem veräussert worden ist. Ein Signal für die weiterhin erwartet gute Geschäftsentwicklung des klimarelevanten Futtermittelzusatzes. Geschäftsbereich Explosives Im Bereich Explosives hat die SSE Holding ihre starke Position in Europa weiter ausgebaut. Laut Geschäftsbericht ist das Unternehmen Marktführer in der Schweiz, Deutschland, Polen, der Tschechischen Republik und der Slowakei. Ebenfalls starke Positionen bestehen in den skandinavischen Ländern. In Deutschland wurde die Tochter Eurodyn geschlossen, womit keine zukünftigen Verpflichtungen mehr bestehen. Dennoch blieben die Marktanteile stabil. Der Umsatz in der Schweiz erfuhr Impulse aus den Bereichen Sicherheit und Verteidigung, was zu höheren Exporten führte. Dies betrifft insbesondere den Sprengstoff PETN, der als “dual-use”-Gut unter die Kontrolle des SECO fällt. Er kann nach dem Kriegsmaterialgesetz auch als Kriegsmaterial eingestuft werden. Erfolgreiche Rechnung Der Betriebsaufwand sank um 8.2 Mio. CHF auf 147.2 Mio. CHF, vor allem durch den signifikant reduzierten Materialaufwand auf nun 77.6 Mio. CHF, gegenüber 85.5 Mio. CHF im Vorjahr. Einen Anstieg verzeichnete lediglich der Aufwandsposten Direkte Fertigungskosten. Das EBITDA von 29.2 Mio. CHF entspricht einer Marge von 16,3%. Die Abschreibungen erhöhten sich um 1.1 Mio. CHF auf 8.7 Mio. CHF, das EBIT stieg um 1.9 Mio. CHF auf 19.9 Mio. CHF. Durch einen a.o. Ertrag aus Wertanpassungen in der Bilanz in Höhe von 7.3 Mio. CHF konnte der Gewinn bei fast unveränderter Steuerlast von 4.1 Mio. CHF auf 14.8 Mio. CHF nahezu verdoppelt werden. Ausblick 2025 wurden 14 Mio. CHF in die Modernisierung und Entwicklung der beiden Geschäftsbereiche investiert. Dies entspricht 8% des Umsatzes und zeigt den Willen zur Expansion und zum Ausbau der Marktführerschaft in den bearbeiteten Ländern. Dazu zählen neben den genannten Ländern auch Rumänien, Griechenland und Nordmazedonien, wo Tochtergesellschaften am Markt sind. Der Ausblick bei der SSE Holding bleibt positiv, trotz der geopolitischen Unsicherheiten. Der Markt für zivile Sprengstoffe bleibt sowohl in Europa wie weltweit fragmentiert. Der Konsolidierungsprozess setzt sich nur langsam fort. Ein Faktor ist Zeit, der den jeweiligen Marktführern in die Hände spielt. Diese weiten ihre Marktanteile sukzessive aus und erzielen gesunde Gewinnmargen, wie die SSE Holding zeigt. Die gescheiterte Fusion verzögert nur den weiteren Konzentrationsprozess. Auf der anderen Seite kommen neue Wachstumsimpulse wie durch die neue Welle der Re-Industrialisierung. Die verlangt nicht zuletzt nach Baumaterialien und belastbarer Verkehrsinfrastruktur. Neue Minenprojekte sollen die Erze und Metalle liefern, die für Energiewende, Elektrifizierung und KI-Rechenzentren gebraucht werden. Mit dem Zahlen-Set zu 2025 belegt die SSE Holding erneut, wie gut die Navigation unter schwierigen Marktbedingungen gelingt. Für die Aktionäre wird nachhaltig Wert geschaffen, was ja auch Ziel der Strategie ist. Die Kapitalkraft ist stark, das Investitionslevel hoch. Zur Stärkung der Kapitalbasis ist für 2026 geplant das Aktienkapital zu erhöhen. Es ist zu erwarten, dass die Aktionäre, wie in den letzten Jahren, gerne in neue Aktien der SSE Holding investieren. Die Aktie der SSE Holding wird auf gehandelt. Zuletzt wurden 6355 CHF je Aktie bezahlt. Die Titel sind mit einem Kurs-/Gewinn-Verhältnis von 12.5 bewertet und rentieren nach der Erhöhung der Dividende auf 125 je Aktie mit 2,0%.
SSE Holding: Gewinn verdoppelt, Zusammenschluss mit EPC Groupe abgesagt