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Treibt Mercosur-Deal unsere Landwirte in den Suizid?

Prometheus Redaktion

Mit dem Freihandelsabkommen gewährt die Schweiz den Mercosur-Staaten eine zollfreie Importmenge von bis zu 2 Prozent des Schweizer Agrar-Gesamtkonsums. Selbst diese Importmenge setzt die Schweizer Landwirtschaft unter Druck: Argentinisches Rindfleisch, brasilianisches Pouletfleisch, Sojabohnen aus Paraguay und dergleichen. Nebenbei ein klitzekleines Detail aus der nachbarschaftlichen Praxis: Die erste Pouletfleischlieferung aus Brasilien in die EU unter dem neuen EU-Mercosur-Vertrag wurde nach Prüfung im Ankunftshafen vernichtet, da bakterienverseucht. Die Landwirtschaft in Lateinamerika besteht aus grossflächigen Latifundien mit Tausenden Hektaren Landflächen und postkolonialen Grossgrundbesitzern. Diese üben unzimperlich ihre Macht gegenüber Kleinbauern aus. Auch den einen oder anderen Umweltschützer lassen sie verschwinden oder von ihren bewaffneten Schergen im Auftrag umbringen. Illegale Rodungen von Urwald zugunsten industriellen Agrarflächen, insbesondere in Brasilien, sind an der Tagesordnung. Genau solches Tun möchte nun der Bundesrat mit dem zollfreien Füllhorn beglücken. Schweizer Bauern, Keimzelle der eidgenössischen Demokratie, geopfert zugunsten postkolonialer Ausbeuter? Auf der anderen Seite der Bilanz möchte der Bundesrat Schweizer Pharma- und Industrieexporte nach Südamerika mit dem Freihandels-Abkommen steigern. Aktuell macht der Export in den Mercosur-Raum lediglich 1,4 Prozent des Schweizer Gesamthandels aus. Die Mercosur-Staaten belegen Schweizer Exportprodukte noch mit Zöllen von bis zu 35 Prozent. Durch das Abkommen werden rund 95 Prozent der Schweizer Ausfuhren von Zöllen befreit. Der Schweizerische Bauernverband fordert eine jährliche Ausgleichszahlung von 880 Millionen Franken als Entschädigung für die kommende Mercosur-Agrarflut. Dies wird von vielen als Affront betrachtet und kritisiert. Die Gegner begründen ihre Kritik aufgrund der bereits bestehenden jährlichen 2,8 Milliarden Franken Subventionen in Form von Direktzahlungen an die Bauern. Diese staatlichen Direktzahlungen sind die Basis für die Aufrechterhaltung der Sicherheit der Landesversorgung. Man erinnere sich an Traugott Wahlen und die äusserst prekäre Versorgungslage während des Krieges und ziehe Parallelen zur heutigen Zeit, als während der Covid-Zeit Deutschland plötzlich auf die Idee kam, Container mit von der Schweiz in China bestellten und bezahlten Schutzanzügen und medizinischen Hilfsmitteln notfallmässig zu requirieren und für sich selbst gebrauchen zu wollen. Wer hier die Sicherstellung der Landesversorgung ins Lächerliche zieht, liegt falsch; wenn es nämlich hart auf hart geht, haben wir weder einen Seehafen noch können wir Fünfliber den Kindern zum Abendessen vorsetzen. Ein weiteres Problem: In der ganzen EU findet man zurzeit immer weniger Bauern. In Frankreich ist das Problem extrem. Viele Bauern begehen sogar Suizid. Sie schuften wie Sklaven und verdienen dabei nichts. Ist es in der Schweiz anders? Nun, Bauer zu sein ist ein harter Job. Pickelhart. Zwischen fünfzig bis siebzig Stunden arbeitet ein Bauer in der Schweiz wöchentlich. Harte, körperliche Arbeit, die viele von uns hier nicht verrichten würden. Gemäss einer Studie des Bundesamtes für Landwirtschaft beträgt dabei der durchschnittliche Stundenlohn eines Schweizer Bauern ganze 17 Franken. Es nimmt mich persönlich Wunder, wer zukünftig unter solchen Bedingungen nicht die Heugabel in den Miststock werfen wird? Ich würde es tun. Und in der Tat, es findet auch in der Schweiz ein Bauernhofsterben statt. Bisher schliessen rund 500 Bauernhöfe jährlich für immer. Am meisten im Innerschweizer Kanton Schwyz, in dem letztes Jahr ganze 34 Bauernhöfe dicht machten. Und genau an den Agrarsubventionen für Schweizer Bauern soll gemäss den Plänen des Bundesrates künftig gespart werden (jährlich 2%), während die Ausgaben für Armee, Kultur und Ukraine erhöht werden sollen.

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