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«Viele haben Angst, dass sie sich das Quartier nicht mehr leisten können»

Prometheus Redaktion

Stadtteilsekretariat Kleinbasel «Viele haben Angst, dass sie sich das Quartier nicht mehr leisten können» Verkehr, Schulwegsicherheit, Asylunterkünfte und die Angst vor Verdrängung: Theres Wernli vom Stadtteilsekretariat Kleinbasel erklärt, welche Sorgen die Menschen im Klybeck derzeit beschäftigen. Theres Wernli, im Quartier soll ein neuer Stadtteil entstehen, wie steht die Bevölkerung im Klybeck dazu? Der Ausblick, dass es ein neues Quartier und mehr Wohnungen gibt, wird nicht nur negativ gesehen. Wir merken, dass gerade junge Menschen den geplanten Hochhäusern gegenüber recht offen sind. Es ist zudem eine riesige Chance, dass das Quartier nicht mehr abgehängt von der restlichen Stadt ist. Alle sind für ein Zusammenwachsen und gegen abgeriegelte Industrieareale. Aber wir reden hier von einem Zeitraum von über 20 Jahren. Das ist noch überhaupt nicht greifbar. An den Mitwirkungsveranstaltungen kommt immer wieder die Frage: «Seid ihr noch nicht weiter?» Für das Quartier ist schwer verständlich, was alles gerade passiert. Was müsste man da besser machen? Es sind unterschiedliche Flughöhen, auf denen diskutiert wird. Das ist für die Bevölkerung schwierig nachzuvollziehen. Es gibt zwar einige Führungen, aber damit hat man den Menschen das Ganze noch nicht wirklich nähergebracht. Da ist einmal der Hafen, dann der Bebauungsplan von Klybeckplus, dann der Richtplan des Kantons, der noch sehr vage ist und ebenfalls noch vors Volk kommt. Dann hört man plötzlich, es gebe ein Hallenbad, und weiss gar nicht, dass das noch gar nicht feststeht. Man muss diese Prozesse den Menschen immer wieder aufs Neue übersetzen. Ein neues Quartier sorgt auch für Gentrifizierung. Wie gehen die Klybeck-Bewohner*innen damit um? Es gibt auch diese Sorgen. Es hat viele Familien im Klybeck, die nicht viel Geld besitzen und Angst vor Verdrängung und dem Verlust ihres Wohnraums haben. Sie befürchten, dass alles teurer wird, weil ein anderer Bevölkerungsmix kommt, und dass sie sich das Leben im Quartier irgendwann nicht mehr leisten können. Gerade in den «Klybeck Mitte» an der Gärtnerstrasse/Holderstrasse wurden zuletzt Sanierungen durchgeführt, die zu Mietzinserhöhungen geführt haben. Dazu kamen Kündigungen wegen einer Sanierung, die dann nicht stattfand und der Kanton Flüchtlinge in den leeren Wohnungen unterbrachte. Das macht die Menschen unglaublich unsicher. Was für Anliegen deponieren die Menschen sonst im Stadtteilsekretariat, wenn es um das Klybeck-Quartier geht? Das ist sehr divers und kommt darauf an, wo die Menschen wohnen. Ein grosses Thema ist bestimmt die Schulwegsicherheit zum Provisorium des Primarschulhauses Kleinhüningen sowie zur Inselstrasse. Die Schüler*innen müssen stark befahrene Strassen überqueren, ein Teil davon die vielbefahrene Hauptachse Richtung Deutschland. Ist der Verkehr generell ein grosses Thema? Ja, viele klagen darüber, dass die Strassen nach Deutschland immer verstopft sind – vor allem die Gärtnerstrasse und die Kleinhüningerstrasse sind sehr stark belastet. Lastwagen weichen wegen des Staus aus und fahren durch Quartierstrassen. Viele wünschen sich eine Entlastung. Aber wir können ja nicht drüber fliegen. Auch die Asylunterkünfte waren in letzter Zeit oft in den Schlagzeilen und sorgten für Verunsicherungen. Das spüren wir extrem. Am Schäferweg sind bis zu 200 junge Männer untergebracht. Die verbringen natürlich einen grossen Teil ihres Tages im Quartier. Das beschäftigt viele Familien, sie bangen um die Sicherheit ihrer Kinder. Es sind die unterschiedlichen Lebensstile auf engem Raum, die zu Konflikten führen. Das Quartier ist durch die Bahngleise, die Industrie und den Verkehr eingeschlossen und eingeengt. Welche Sorgen gibt es noch? Ein weiterer Sorgepunkt ist die Bevölkerungsdurchmischung. Wenn wir vom Stadtteilsekretariat an Mitwirkungsveranstaltungen gehen, hören wir immer wieder den Wunsch nach einer besseren Durchmischung im Klybeck-Quartier. Wir hören von Eltern, dass sie befürchten, ihre Kinder würden in der Schule sonst nur schlecht Deutsch lernen. Viele sind deshalb einem neuen Wohnungs- und Bevölkerungsmix – wie ihn Klybeckplus sicher bringen würde – nicht abgeneigt.

bajour.ch

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