Am Limmatspitz in Gebenstorf wandelt sich das ehemalige BAG‑Industrieareal zur neuen Wohn‑ und Arbeitsadresse mitten im Aargauer Wasserschloss. Alte Fabrikhallen weichen einem dichten, urbanen Quartier mit direktem Bezug zur Auenlandschaft. Die Entwicklung „Wasserschloss“ zeigt, wie aus einer Gewerbeinsel ein Baustein zwischen Naturschutz, Hochwasserschutz und verdichtetem Wohnen wird. Das BAG‑Areal liegt im Vogelsang‑Quartier von Gebenstorf, zwischen Dorf, Limmat und der Mündung von Aare, Reuss und Limmat. Hier produzierte die Leuchtenfabrik BAG über Jahrzehnte, die Hallen prägten den Industriestandort am Rand des Limmatspitz. Mit dem Wegzug der Firma Anfang der 2000er Jahre stand eine grosszügige Reservefläche an bester Lage zur Disposition. Umzonung und Projekt Wasserschloss2017 erfolgte die Teilzonenänderung „Limmatspitz“, das Areal wurde von der Industrie‑ in eine Wohn‑ und Gewerbezone überführt und einem Gestaltungsplan unterstellt. Unter der Bezeichnung „Wasserschloss“ wird seither ein neues Quartier entwickelt, das Wohnen, Arbeiten und Dienstleistung mit der landschaftlich exponierten Lage verbindet. Ein Studienauftrag entschied 2024 über das städtebauliche Gerüst, den Zuschlag erhielten Duplex Architekten und Gersbach Landschaftsarchitektur. Stadtblock am Fluss, Aue vor der HaustürDas Konzept setzt auf kompakte Baukörper, klare Hofstrukturen und eine dichte Kante zur Limmat. Zur Flussseite hin staffeln sich Gebäude und Freiräume, sodass eine Pufferzone zur Auengebietskulisse entsteht. Innen entstehen halböffentliche Höfe und gut besonnte Wohnlagen, während Erdgeschosse Raum für Dienstleistungen und gewerbliche Nutzungen bieten. Rückeroberung durch die AuenlandschaftParallel zur Verdichtung auf dem Areal läuft die ökologische Aufwertung des angrenzenden Limmatspitz, einem Auengebiet von nationaler Bedeutung. Uferbereiche werden renaturiert, Hartbeläge zurückgebaut und der Raum für dynamische Flussprozesse wieder geöffnet. Die Transformation vom Gewerbestandort zum Wohnort ist damit bewusst an eine „Rückeroberung“ durch die Auenlandschaft gekoppelt, mit neuen Wegen und Zugängen für die Naherholung. Hochwasser, Naturschutz und DichteDie Nähe zum Wasserschloss stellt hohe Anforderungen an Hochwasserschutz und Bauweise. Bauvolumen und Sockelzonen sind so angelegt, dass sie sowohl den Schutzauflagen wie den Blickbeziehungen zur Landschaft gerecht werden. Gleichzeitig verlangt der kantonale Richtplan nach einer effizienten Nutzung innerer Reserven, was zu höheren Dichten auf dem Areal führt. Baustein einer neuen UferstadtFür Gebenstorf bedeutet die Entwicklung des BAG‑Areals einen strukturellen Sprun, vom klassischen Wohn‑ und Arbeitsort zur Adresse im überregional wahrgenommenen Wasserschloss. Das Projekt steht exemplarisch für eine Generation von Arealtransformationen, die Innenentwicklung, Klimaanpassung und Naturschutz verbinden sollen. Wie gut das gelingen wird, zeigt sich daran, ob Wasserschloss am Ende als selbstverständlich gewachsenes Quartier wirkt oder als Fremdkörper am Rand einer der wertvollsten Flusslandschaften des Kantons.