6.6.2026 Wie die grösste Stadt der Schweiz ihre Zukunft sieht, kann man an der Tödistrasse vorwegnehmen. Die Autos sollen praktisch komplett verschwinden, dafür stehen für Velos Flächen in halber Fussball-Feld-Dimension bereit. Wer dort parkieren soll, weiss keiner. Im Winter sowieso niemand, im Sommer lassen die Leute ihre Mietvelos mitten auf dem Troittoir stehen. Die Tödistrasse ist zentral im Bankenviertel. Sie verbindet den See und den Selnau, wo einst die Börse hauste. Viele Vermögensverwalter, Anwälte und Banken haben hier ihr Domizil. Direkt beim Hochhaus zur Palme, wo einst der CS Trust seine Geheimnisse hütete und unten die letzte Silberkugel mit Beefy Originals lockte, nimmt das Massaker von Zürich Gestalt an. Die Bauarbeiter drücken mit ihrem schweren Maschinen die Erde platt, die Markier-Steine sind gelegt. Das Bild, das sein einem offenbart, ist eindeutig: Hier, wo die Kunden und Bürger einst auf weissen Feldern parkieren konnten, haben sie in Zukunft nichts mehr verloren. „Es wird Veloabstellplätze geben, dann Motorradabstellplätze, dann eine Züri Velo-Station, zwei weisse Parkfelder statt 12 weisse Parkfelder und ein Güterumschlagsfeld“, sagt der Sprecher der Stadt. Was die Stadt an dieser Stelle in den letzten Monaten aufführt, könnte ein Kapitel im Selwyla-Roman hergeben. Ein nigelnagelneues, erstes Grossparkfeld für Velos radierte mehrere weisse Autofelder aus. Dann stand dort plötzlich ein riesiger Baukran. Privatvorhaben, so die Stadt, hat nichts mit uns zu tun. Schliesslich kam Projekt Velo-Highway. Erneut monatelange Baustelle, in ein paar Wochen dann die herrlichen Grossflächen für Velos ohne Grenzen. Neben der Ideologie herrscht noch Wildwuchs, Chaos und Geld-Verschleuderung.