Wenn die Natur einzieht Etwas, das ich in der Wohnung früher kaum je wahrgenommen habe, ist hier plötzlich allgegenwärtig: Leben. Echtes, lebendiges, ungefiltertes Naturleben — direkt vor der Haustür und oft sogar mittendrin. Da sind zuerst die Vögel. Viel mehr, als ich je erwartet hätte. Morgens beginnt das Konzert oft schon früh, ein vielstimmiges Zwitschern, das sich durch den Garten zieht. Kein Wecker der Welt klingt so angenehm. Es ist ein Geräusch, das nicht stört, sondern eher beruhigt — etwas, das man fast vermisst, wenn es einmal still ist. Dann die Grillen. Ihr Zirpen begleitet warme Tage und milde Abende. Ich habe die Wiese bewusst wachsen lassen, nicht sofort gemäht. Der erste Schnitt ist erst für Mitte Juni geplant. Und genau diese kleine Entscheidung hat eine grosse Wirkung: Plötzlich ist da Leben im Gras, Bewegung, Klang. Die Natur nimmt sich Raum, wenn man sie lässt. Ein ganz besonderer Gartenbewohner ist der Igel. Er streift nachts durch das Grundstück, kaum sichtbar, aber durch seine Spuren erkennbar. Und ich sehe ihn inzwischen fast als Verbündeten — schliesslich macht er sich über die gefrässigen Schnecken her, die sonst mein Gemüse bedrohen würden. Eine stille, aber hilfreiche Zusammenarbeit. Ich mag keine Katzen Weniger willkommen ist hingegen die schwarz-weisse Katze aus der Nachbarschaft. Sie hat ein Talent dafür, genau die falschen Orte zu finden, um ihre Hinterlassenschaften zu platzieren — bevorzugt im Gemüsegarten. Mein aktueller Versuch: Kaffeesatz als natürlicher Abschreckungsversuch. Ob es funktioniert, wird sich zeigen. Es ist jedenfalls ein kleines Kapitel im täglichen Zusammenleben mit der Natur — nicht alles ist idyllisch, aber alles gehört irgendwie dazu. Und dann gibt es die Momente, die einen kurz innehalten lassen. Wie der Tag, an dem eine Rindenspringspinne auf dem Wohnzimmerboden unterwegs war. Ich dachte zuerst, es wäre ein Skorpion. Doch es handelte sich um eine der grössten einheimischen Springspinnen in der Schweiz. Durch ihren langgestreckten Körper und die kräftigen, nach vorne gerichteten Vorderbeine wird sie aus der Ferne oder von oben häufig mit einem kleinen Skorpion verwechselt. Man wird aber auch immer belohnt. Mit Schmetterlingen, die durch den Garten tanzen, und einer Vielzahl von Insekten, die ich in dieser Form früher kaum gesehen habe. Es summt und brummt, lebt und bewegt sich ständig irgendwo im Sichtfeld. Jeder Blick nach draussen zeigt etwas Neues. Hier, am neuen Ort, ist die Natur nicht nur Kulisse — sie ist präsent, aktiv und spürbar. Ein grosser Unterschied zu vorher. Wenn ich an Wettingen zurückdenke, kommt mir unweigerlich ein Gedanke: Dort gab es gefühlt mehr Autos als Insekten. Umso mehr schätze ich jetzt das, was hier jeden Tag passiert. Nicht spektakulär im grossen Sinn, sondern still, lebendig und echt. Eine Umgebung, die sich nicht perfekt inszeniert, aber genau dadurch so viel gibt.