Zum Inhalt springen

Aarau als Kulturhauptstadt 2030: Jetzt zählt die Umsetzung

Hätte jemand vor 20 Jahren gesagt, dass Aarau Kulturhauptstadt der Schweiz werden würde – man hätte gelacht. Heimelig, aber auch protestantisch-bünzlig und ohne Verve: Diesen Ruf hatte Aarau über Jahrzehnte, selbst bei den Einheimischen. Dass sich das geändert hat und ein neues, mutiges, erfrischendes Aarau entstanden ist, ist vielerorts noch nicht angekommen. Für viele ist die Hauptstadt des Rüeblikantons nach wie vor ein Ort, den man auf der Autobahn oder mit dem Schnellzug maximal streift. Sinnigerweise hat das Künstler Roman Signer mit seinem Werk «Durchzug» am Aarauer Bahnhof auch noch festgehalten. Aber ein Ort zum Aussteigen? Das ist Aarau für viele Auswärtige höchstens, wenn der Rüeblimärt lockt, wenn «Blumen für die Kunst» duftet oder wenn man dem Kultustadion Brügglifeld einen Besuch abstattet. Mit dem Kulturhauptstadtjahr will Aarau nun 2030 der ganzen Schweiz zeigen, was man zwischen Aare und Autobahn, zwischen Hungerberg und Gönhardwald, zwischen Alter Reithalle und Glockengiesserei zu bieten hat. Der Titel ist deshalb auch Ausdruck eines neuen Aarauer Selbstverständnisses: Seht her! Die Freude ist jetzt gross. Aber nach der Wahl ist vor dem Akt. Damit das Kulturhauptstadtjahr ein Erfolg wird, braucht es nun einen Rieseneffort. Nicht nur von den Menschen, die für das Projekt bezahlt werden, sondern vor allem auch von jenen, die einen grossen Teil ihrer Freizeit für kulturelles Engagement hergeben. Das Aarauer Konzept hat unter anderem damit gepunktet, dass der Einbezug der Bevölkerung im Zentrum steht. Doch das ist zugleich Chance wie Risiko. Denn beim Brainstorming reden kann man viel, aber nun muss man den grossen Worten Taten folgen lassen, damit die kreativen Ideen in die reale Welt übersetzt werden. Das Projektteam und letztlich die Stadt sind darauf angewiesen, dass alle Kulturschaffenden, alle Gastgeber, die Politik und die Einwohnenden mitziehen. Auf ihren Schultern entsteht der Erfolg. «Wir waren imfall einmal Landeshauptstadt» - damit brüsten sich Aarauerinnen und Aarauer immer noch, obschon die Episode im ersten Jahr der Helvetischen Republik, 1798, nur wenige Monate dauerte. Jetzt besteht die Chance, das Kulturhauptstadtjahr zu einem Wendepunkt in der Stadtgeschichte zu machen und der ganzen Schweiz zu zeigen, was Einheimische schon lange wissen: Aarau ist top.

www.zofingertagblatt.ch

Zum Originalartikel