In einem ausführlichen Interview mit KlarTV zeichnet der US-Autor und Technokratie-Forscher Patrick Wood ein düsteres Bild der Zukunft. Gemeinsam mit dem Moderator spricht er über die Trilaterale Kommission, Technokratie, Künstliche Intelligenz, digitale Vermögenswerte, Überwachungstechnologien und die Rolle mächtiger Technologieunternehmen. Wood ist Mitautor des Buches „The Last Betrayal – A Warning Story About How Technocracy Took Over America“ und sieht die Welt an einem historischen Wendepunkt angekommen. Die Wurzeln der Technokratie Nach Woods Darstellung reichen die Ursprünge der heutigen Entwicklungen weit zurück. Er verweist auf den ehemaligen Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski und den Banker David Rockefeller, die Anfang der 1970er-Jahre die Trilaterale Kommission gründeten. Während Rockefeller die finanziellen Mittel bereitgestellt habe, habe Brzezinski die ideologische Grundlage geliefert. Im Mittelpunkt stand laut Wood die Idee einer „technotronischen“ Gesellschaft – ein Begriff, den Brzezinski in seinem Buch „Between Two Ages“ verwendete. Für Wood ist „technotronisch“ letztlich nur ein anderes Wort für „technokratisch“. Das Ziel sei gewesen, wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse zunehmend von Experten, Wissenschaftlern und Technokraten steuern zu lassen, statt durch klassische demokratische Institutionen. Wood argumentiert, dass diese Entwicklung über Jahrzehnte hinweg vorangetrieben worden sei und sich heute in der Konzentration von Ressourcen, Kapital und Entscheidungsmacht in immer weniger Händen manifestiere. Die Vision eines nordamerikanischen „Technats“ Besonders bemerkenswert ist Woods Hinweis auf die frühe Technokratiebewegung der 1930er-Jahre. Bereits 1932 hätten Vertreter dieser Bewegung ein sogenanntes „Nordamerikanisches Technat“ entworfen – eine gigantische Wirtschaftszone, die Kanada, Grönland, die USA, Mexiko sowie Teile Mittel- und Südamerikas umfassen sollte. Wood sieht in aktuellen geopolitischen Debatten über Grönland, Panama, Kanada oder Venezuela Parallelen zu diesen historischen Konzepten. Für ihn seien dies keine zufälligen Entwicklungen, sondern Ausdruck langfristiger strategischer Vorstellungen über die Kontrolle von Ressourcen und Wirtschaftsräumen. Die Rückkehr der Trilateralen Kommission Laut Wood trat die Trilaterale Kommission jahrzehntelang kaum öffentlich in Erscheinung. Heute jedoch sieht er zahlreiche ihrer Mitglieder wieder in Schlüsselpositionen. Er verweist auf Politiker wie Mark Carney oder Keir Starmer und beschreibt eine enge Verbindung zwischen politischen Entscheidungsträgern und einer neuen Generation technokratischer Eliten. Gleichzeitig seien Milliardäre aus dem Silicon Valley und der Tech-Branche in die Schaltzentralen der Macht vorgedrungen. Dabei gehe es seiner Ansicht nach nicht primär um klassische Politik, sondern um die Umgestaltung der globalen Wirtschaftsordnung. Die politische Bühne diene lediglich als Ablenkung, während im Hintergrund ein neues wirtschaftliches Steuerungssystem etabliert werde. Agenda 2030 und globale Steuerung Wood verbindet die Technokratie-Idee mit internationalen Programmen wie Agenda 21 und Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Seiner Ansicht nach seien viele politische Debatten über Klimawandel, Nachhaltigkeit oder globale Kooperation letztlich Ausdruck einer umfassenderen wirtschaftlichen Neuordnung. Während die Öffentlichkeit über politische Themen diskutiere, werde im Hintergrund eine technokratische Infrastruktur geschaffen, die langfristig die Rolle demokratischer Entscheidungsprozesse reduzieren könnte. Das Ende der Politik? Besonders kontrovers wird Wood, wenn er über die Zukunft demokratischer Institutionen spricht. Die ursprünglichen Technokraten hätten bereits in den 1930er-Jahren argumentiert, dass Wissenschaft und Technik Politik überflüssig machen würden. Experten könnten gesellschaftliche Probleme objektiv lösen; politische Debatten seien daher unnötig. Wood behauptet, ähnliche Tendenzen heute erneut zu beobachten. Die Macht klassischer Politiker nehme ab, während technische, wirtschaftliche und datengetriebene Systeme immer größeren Einfluss gewännen. Die eigentliche Macht verlagere sich von Parlamenten und Regierungen hin zu Netzwerken aus Technologieunternehmen, Finanzinstitutionen und Datenplattformen. KI und die Infrastruktur der Kontrolle Ein zentrales Thema des Interviews ist die rasante Expansion von Rechenzentren und KI-Systemen. Wood sieht im weltweiten Ausbau von Datenzentren weit mehr als nur die Grundlage für Chatbots oder digitale Assistenten. Für ihn entsteht eine globale Infrastruktur, die in der Lage wäre, nahezu alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten zu überwachen und auszuwerten. Besonders alarmiert zeigt er sich über die Verknüpfung von: Künstlicher Intelligenz Finanzsystemen biometrischer Überwachung Sensor-Netzwerken Smart Cities digitalen Identitäten Aus seiner Sicht bildet dies das Fundament einer wissenschaftlich-technischen Kontrollarchitektur, die künftig weitreichende Eingriffe in das Leben der Bürger ermöglichen könnte. Die Tokenisierung allen Eigentums Einen großen Teil des Interviews widmet Wood dem Thema Tokenisierung. Er beschreibt ein Szenario, in dem Vermögenswerte wie Häuser, Grundstücke, Wälder oder Rohstoffvorkommen digitalisiert und in handelbare Anteile zerlegt werden. Diese Anteile könnten anschließend weltweit gehandelt werden. Dabei verweist er auf Aussagen von Finanzakteuren, die davon sprechen, dass künftig praktisch jeder Vermögenswert tokenisiert werden könne. Wood warnt vor einem System, in dem Bürger zwar kurzfristig finanzielle Vorteile erhalten könnten – etwa durch Schuldenerlasse oder den Verkauf ihres Eigentums gegen digitale Vermögenswerte –, langfristig jedoch ihre Eigentumsrechte verlieren würden. In seinem Szenario würden Menschen letztlich zu Mietern ihres ehemaligen Eigentums werden, während die Kontrolle über die Vermögenswerte bei großen Finanz- und Technologiekonzernen verbleibt. Die „Dark Enlightenment“ und Curtis Yarvin Großen Raum nimmt auch die Diskussion über den amerikanischen Blogger und politischen Denker Curtis Yarvin ein. Wood behauptet, dass einflussreiche Technologieunternehmer dessen Ideen zunehmend übernehmen würden. Yarvin kritisiert demokratische Systeme und plädiert für stärker zentralisierte Machtstrukturen. Nach Woods Darstellung träumt Yarvin von einer Art technokratischer Monarchie, in der die Entscheidungsgewalt bei einer kleinen Elite liegt. Demokratische Institutionen würden dabei weitgehend an Bedeutung verlieren. Wood sieht darin eine ideologische Grundlage für Teile der heutigen Tech-Elite und bezeichnet dies als fundamentalen Bruch mit den Erwartungen vieler Bürger, die politische Veränderungen ursprünglich aus anderen Gründen unterstützt hätten. Palantir als Machtzentrum der Datengesellschaft Besonders kritisch äußert sich Wood über das Datenanalyseunternehmen Palantir Technologies. Er beschreibt Palantir als Unternehmen, das ursprünglich eng mit Geheimdiensten zusammenarbeitete und heute eine Schlüsselrolle bei der Verarbeitung riesiger Datenmengen spiele. Nach seiner Einschätzung habe Palantir in Bereichen wie Überwachung, Geheimdienstarbeit, Militär und Datenanalyse eine nahezu monopolartige Stellung erreicht. Wood sieht darin die Entstehung eines Systems, das Informationen aus verschiedensten Quellen zusammenführen und umfassende Persönlichkeitsprofile erstellen könne. Überwachung bis ins kleinste Detail Im weiteren Verlauf schildert Wood eine Zukunft, in der biometrische Identifikation, Gesichtserkennung, Fahrzeugerfassung und digitale Identitäten miteinander verschmelzen. Er verweist auf Kennzeichenscanner, Gesichtserkennungssysteme und die zunehmende Vernetzung staatlicher und privater Datenbanken. Ziel dieser Datensammlung sei letztlich nicht die bloße Speicherung von Informationen, sondern die Möglichkeit, Verhalten vorherzusagen und zu beeinflussen. Gaza, Ukraine und globale Testfelder Auf die Frage nach Gaza und anderen Konfliktregionen antwortet Wood, dass moderne Kriegsgebiete zunehmend als Testumgebungen für neue Technologien dienen würden. Neben Gaza nennt er auch die Ukraine als Beispiel für Regionen, in denen neue Überwachungs-, KI- und Militärtechnologien unter realen Bedingungen erprobt würden. Konflikte würden dadurch zu Experimentierfeldern für die nächste Generation digitaler Kontrollsysteme. Widerstand auf lokaler Ebene Trotz seiner düsteren Analyse endet Wood nicht mit Resignation. Er betont, dass Bürger auf lokaler Ebene weiterhin Einfluss nehmen könnten. Stadtverwaltungen, Gemeinderäte und regionale Behörden seien aus seiner Sicht wichtige Orte, an denen Entscheidungen über Überwachungssysteme, Gesichtserkennung, Datenzentren oder KI-Anwendungen getroffen würden. Anstatt auf nationale Regierungen zu hoffen, sollten Bürger ihre lokalen Institutionen stärker beobachten und sich aktiv in politische Entscheidungsprozesse einbringen. Fazit Patrick Wood zeichnet das Bild einer Welt, in der Technologie, Finanzsysteme, künstliche Intelligenz und globale Datenstrukturen zunehmend miteinander verschmelzen. In seiner Interpretation entstehen dabei neue Machtzentren, die traditionelle politische Institutionen verdrängen könnten. Viele seiner Aussagen sind umstritten und spiegeln seine persönliche Analyse wider. Unabhängig davon zeigt das Interview, welche Sorgen Teile der technokratiekritischen Bewegung beschäftigen: die Konzentration von Daten, Kapital und Entscheidungsmacht in den Händen weniger Akteure, die Ausweitung digitaler Überwachung und die Frage, welche Rolle demokratische Kontrolle in einer zunehmend algorithmisch gesteuerten Welt künftig noch spielen wird.
Der letzte Verrat an der Menschheit? Patrick Wood warnt vor einer technokratischen Weltordnung