Future Foods: Nachhaltig, aber auch wirtschaftlich? Angesichts von Klimawandel, zunehmendem Schädlingsdruck und einer wachsenden Bevölkerung steht die globale Landwirtschaft vor gewaltigen Herausforderungen. Um unsere Ernährungssicherheit langfristig zu gewährleisten, rücken neue Kulturen in den Fokus. Eine aktuelle Studie zeigt das Potenzial von 30 «Future Foods» für die Schweiz auf. Doch für den Erfolg braucht es mehr als nur gute Absichten. Monday, June 8, 2026 Das Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen (IUNR) der ZHAW hat im Auftrag des WWF 30 Lebensmittel identifiziert, die als besonders zukunftsweisend gelten. Diese sogenannten «Future Foods» sind ressourcenschonend im Anbau, fördern die Agrobiodiversität und unterstützen die Landwirtschaft dabei, sich gegen Klimarisiken zu wappnen. Zudem punkten sie bei der Ernährung: Sie sind reich an Proteinen, Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralien. Experten bewerteten dabei Kriterien wie das Anbaupotenzial in der Schweiz, ökologische Faktoren sowie die Markttauglichkeit. Das Ergebnis ist ein breiter Mix aus Ölsaaten, Getreide, Hülsenfrüchten, Gemüse, Nüssen und Zuchtpilzen. Vier Hoffnungsträger im Porträt Pastinake: Dieses frostharte Wurzelgemüse war bis ins 18. Jahrhundert ein Grundnahrungsmittel in Mitteleuropa. Sie gilt als äusserst pflegeleicht und liefert hohe Flächenerträge, was sie ökologisch sehr wertvoll macht. In den letzten Jahrzehnten wurden Pastinaken in der Schweiz wieder vermehrt angebaut. Lupine: Als heimische Eiweissquelle kann die Lupine Stickstoff im Boden binden und Phosphor mobilisieren, was den Düngerbedarf massiv senkt. Sie ist zudem trockenheitstolerant und liefert die Basis für hochwertige Fleischersatzprodukte. Die Süsslupine wurde gar zum «Superfood des Jahres 2026» gekürt. Angesichts der geringen Erträge hat die Lupine aber einen relativ hohen Flächenbedarf. Hanf: Die traditionelle Kulturpflanze lockert durch ihre tiefen Wurzeln den Boden und verursacht kaum Treibhausgasemissionen. Die Körner dienen zudem als hervorragende Nährstoffquelle mit hohem Proteingehalt. In den letzten Jahren hat die Akzeptanz und Bekanntheit von Hanf als Nahrungsmittel in der Schweizer Bevölkerung zugenommen. Kichererbse: Die wärmeliebende Pflanze ist bei Konsumenten extrem beliebt – die Nachfrage in der Schweiz ist derzeit sogar grösser als das Angebot. Sie punktet mit viel Protein sowie wichtigen Mineralstoffen und eignet sich ideal für Trend-Gerichte wie Hummus oder Falafel. Das Risiko von Ernteausfällen bei schlechtem Wetter ist aktuell jedoch sehr hoch. Die Realität: Zwischen Anspruch und Ertrag Gerade das Beispiel der Kichererbse zeigt jedoch die Kluft zwischen Theorie und Praxis. Der Anbau pflanzlicher Superfoods wird in der Schweiz bisher kaum ausreichend gefördert. David Brugger vom Schweizer Bauernverband warnt, dass der Anbau pflanzlicher Nahrungsmittel seit über zehn Jahren rückläufig ist. Was wir hier nicht selbst produzieren, wird durch billigere Importe ersetzt. Auch Ökonom Mathias Binswanger bestätigt im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» dieses Dilemma: Die Kosten in der Schweiz seien hoch, die Preise tief. Auch der Detailhandel steht unter Druck und greift trotz hoher Margen bei Bioprodukten oft auf günstigere Importware zurück. Wie prekär die Lage ist, zeigt der Landwirt René Ritter aus dem Baselbiet: Von drei Jahren Kichererbsen-Anbau erlebte er zwei Totalausfälle. Statt tonnenweiser Ernte konnte er gerade mal eine Schubkarre voll ernten. Das Beispiel verdeutlicht: Ohne wirksamen Pflanzenschutz hat die heimische Eiweissproduktion keine Zukunft. Trotz aller Fortschritte bleibt auch der Anbau von Süsslupinen anspruchsvoll. Krankheiten wie die Anthraknose können zu hohen Ertragsverlusten bis zum Totalausfall führen. Hinzu kommen Spätverunkrautung, schwankende Erträge von meist 2 bis 4 Tonnen pro Hektar und eine oft geringe Wirtschaftlichkeit. Eine zentrale Herausforderung sind auch ihre Bitterstoffe, genauer gesagt Alkaloide. Diese stickstoffhaltigen Naturstoffe dienen der Pflanze als natürlicher Schutz vor Frassfeinden. Für Mensch und Tier sind sie jedoch giftig. Dank Züchtung sind Süsslupinen heute deutlich alkaloidärmer als ihre wilden Verwandten. Dennoch sind sie nicht vollständig risikofrei. Umweltstress, Krankheiten oder Standortfaktoren können dazu führen, dass der Alkaloidgehalt wieder ansteigt. In der Praxis müssen deshalb immer wieder ganze Ernteposten deklassiert werden.Diese Realität macht deutlich: Auch ein Superfood ist keine Selbstläufer-Kultur und für die anbauenden Landwirte mit Risiken verbunden. Die Debatte um Future Foods zeigt: Eine zukunftsfähige Ernährung gelingt nur, wenn wir Nachhaltigkeit umfassend denken: Sie enthält neben einer zeitlichen Komponente auch eine ökologische, ökonomische und soziale Dimension. Dem gleichen Prinzip folgt auch der Begriff der Ressourceneffizienz, wonach alle Ressourcen schonend und damit auch nachhaltig genutzt werden sollen. Dazu gehören nebst den natürlichen auch die Ressourcen Finanzen, Energie, Arbeit und der Landverbrauch – also Elemente der Wirtschaftlichkeit. Das Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen (IUNR) der ZHAW hat im Auftrag des WWF 30 Lebensmittel identifiziert, die als besonders zukunftsweisend gelten. Diese sogenannten «Future Foods» sind ressourcenschonend im Anbau, fördern die Agrobiodiversität und unterstützen die Landwirtschaft dabei, sich gegen Klimarisiken zu wappnen. Zudem punkten sie bei der Ernährung: Sie sind reich an Proteinen, Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralien. Experten bewerteten dabei Kriterien wie das Anbaupotenzial in der Schweiz, ökologische Faktoren sowie die Markttauglichkeit. Das Ergebnis ist ein breiter Mix aus Ölsaaten, Getreide, Hülsenfrüchten, Gemüse, Nüssen und Zuchtpilzen. Vier Hoffnungsträger im Porträt Pastinake: Dieses frostharte Wurzelgemüse war bis ins 18. Jahrhundert ein Grundnahrungsmittel in Mitteleuropa. Sie gilt als äusserst pflegeleicht und liefert hohe Flächenerträge, was sie ökologisch sehr wertvoll macht. In den letzten Jahrzehnten wurden Pastinaken in der Schweiz wieder vermehrt angebaut. Lupine: Als heimische Eiweissquelle kann die Lupine Stickstoff im Boden binden und Phosphor mobilisieren, was den Düngerbedarf massiv senkt. Sie ist zudem trockenheitstolerant und liefert die Basis für hochwertige Fleischersatzprodukte. Die Süsslupine wurde gar zum «Superfood des Jahres 2026» gekürt. Angesichts der geringen Erträge hat die Lupine aber einen relativ hohen Flächenbedarf. Hanf: Die traditionelle Kulturpflanze lockert durch ihre tiefen Wurzeln den Boden und verursacht kaum Treibhausgasemissionen. Die Körner dienen zudem als hervorragende Nährstoffquelle mit hohem Proteingehalt. In den letzten Jahren hat die Akzeptanz und Bekanntheit von Hanf als Nahrungsmittel in der Schweizer Bevölkerung zugenommen. Kichererbse: Die wärmeliebende Pflanze ist bei Konsumenten extrem beliebt – die Nachfrage in der Schweiz ist derzeit sogar grösser als das Angebot. Sie punktet mit viel Protein sowie wichtigen Mineralstoffen und eignet sich ideal für Trend-Gerichte wie Hummus oder Falafel. Das Risiko von Ernteausfällen bei schlechtem Wetter ist aktuell jedoch sehr hoch. Die Realität: Zwischen Anspruch und Ertrag Gerade das Beispiel der Kichererbse zeigt jedoch die Kluft zwischen Theorie und Praxis. Der Anbau pflanzlicher Superfoods wird in der Schweiz bisher kaum ausreichend gefördert. David Brugger vom Schweizer Bauernverband warnt, dass der Anbau pflanzlicher Nahrungsmittel seit über zehn Jahren rückläufig ist. Was wir hier nicht selbst produzieren, wird durch billigere Importe ersetzt. Auch Ökonom Mathias Binswanger bestätigt im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» dieses Dilemma: Die Kosten in der Schweiz seien hoch, die Preise tief. Auch der Detailhandel steht unter Druck und greift trotz hoher Margen bei Bioprodukten oft auf günstigere Importware zurück. Wie prekär die Lage ist, zeigt der Landwirt René Ritter aus dem Baselbiet: Von drei Jahren Kichererbsen-Anbau erlebte er zwei Totalausfälle. Statt tonnenweiser Ernte konnte er gerade mal eine Schubkarre voll ernten. Das Beispiel verdeutlicht: Ohne wirksamen Pflanzenschutz hat die heimische Eiweissproduktion keine Zukunft. Trotz aller Fortschritte bleibt auch der Anbau von Süsslupinen anspruchsvoll. Krankheiten wie die Anthraknose können zu hohen Ertragsverlusten bis zum Totalausfall führen. Hinzu kommen Spätverunkrautung, schwankende Erträge von meist 2 bis 4 Tonnen pro Hektar und eine oft geringe Wirtschaftlichkeit. Eine zentrale Herausforderung sind auch ihre Bitterstoffe, genauer gesagt Alkaloide. Diese stickstoffhaltigen Naturstoffe dienen der Pflanze als natürlicher Schutz vor Frassfeinden. Für Mensch und Tier sind sie jedoch giftig. Dank Züchtung sind Süsslupinen heute deutlich alkaloidärmer als ihre wilden Verwandten. Dennoch sind sie nicht vollständig risikofrei. Umweltstress, Krankheiten oder Standortfaktoren können dazu führen, dass der Alkaloidgehalt wieder ansteigt. In der Praxis müssen deshalb immer wieder ganze Ernteposten deklassiert werden.Diese Realität macht deutlich: Auch ein Superfood ist keine Selbstläufer-Kultur und für die anbauenden Landwirte mit Risiken verbunden. Die Debatte um Future Foods zeigt: Eine zukunftsfähige Ernährung gelingt nur, wenn wir Nachhaltigkeit umfassend denken: Sie enthält neben einer zeitlichen Komponente auch eine ökologische, ökonomische und soziale Dimension. Dem gleichen Prinzip folgt auch der Begriff der Ressourceneffizienz, wonach alle Ressourcen schonend und damit auch nachhaltig genutzt werden sollen. Dazu gehören nebst den natürlichen auch die Ressourcen Finanzen, Energie, Arbeit und der Landverbrauch – also Elemente der Wirtschaftlichkeit. Related articles More contributions from Knowledge