Vier Wochen lang ist ein Unterwasserroboter in der Arktis an Orten abgetaucht, die noch nie ein Mensch gesehen hat. Er lieferte spektakuläre Bilder aus bis zu 3000 Metern Tiefe. Dort ist alles schwarz, kein Lichtstrahl dringt mehr durch, doch das Leben ist vielfältig: Die Forschenden von Greenpeace und Personen, die sich in den Live-Kanal eingewählt hatten, konnten erstmals Ökosysteme wie Bambuskorallen und Schwammgärten in hoher Auflösung bestaunen. Eine vermutlich neue Art aus der Ordnung der Flohkrebse (Amphipoda) wurde in 900 Metern Tiefe gesichtet. Drei weitere möglicherweise neue Amphipoden werden nun in den kommenden Monaten beschrieben und benannt. Zudem wurden 400 Schwammproben gesammelt, darunter laut den Forschenden mindestens drei potenziell neue Arten. Bekannt war bereits der Schwamm Stelletta raphidiophora. Er zeichnet sich durch markante, nadelförmige Strukturen aus, die aus seiner Oberfläche herausragen. Diese sind für die Stützkraft des Skeletts und die Verteidigung unerlässlich. Schwämme gibt es seit über 500 Millionen Jahren. Weil sie spezielle Abwehrstoffe entwickelt haben, hofft man, in ihnen einen Schlüssel zur Heilung von Krankheiten zu finden. Greenpeace sammelt mit diesen Fotos und Videos wissenschaftliche Belege für die Vielfalt, Verbreitung und Vernetzung der Fauna in arktischen Tiefseeökosystemen. Die Erkenntnisse der Expedition sollen ein wichtiges Puzzleteil bei der Einrichtung von Meeresschutzgebieten in der Arktis werden. Das Ziel der Umweltorganisation ist ein Moratorium für den Tiefseebergbau und der Schutz von mindestens 30 Prozent der Ozeane bis im Jahr 2030. Sandra Schöttner, leitende Wissenschafterin an Bord von Greenpeace International, sagt dazu in einer Medienmitteilung: «Die Tiefsee-Bergbauindustrie hat noch nicht begonnen, den Meeresboden aufzureissen. Wir haben deshalb die Möglichkeit, eine Umweltkatastrophe zu verhindern, bevor sie eintritt.» (chm)