Die katholische Pfarrei von Seon erhielt vor Pfingsten eindrücklichen Besuch aus Afrika: Pater Gregor Schmidt berichtete aus dem harten Leben im bitterarmen Südsudan – und von einem bewundernswerten Volk, das trotz Hunger, Krieg und Vertreibung seine Hoffnung und Glaubenskraft lebendig hält. Der Missionar kam auf Einladung des Hilfswerks KIRCHE IN NOT (ACN). Die Not im Südsudan aus den Nachrichten zu erfahren, ist das eine – jemandes Erlebnisse zu hören, der seit 15 Jahren mitten unter den Leidtragenden lebt, etwas ganz anderes. Diese bewegenden Einblicke brachte der Berliner Missionar Gregor Schmidt (52) in einen gut besuchten Gottesdienst nach Seon. Er ist seit Anfang 2023 Provinzial der Gemeinschaft Comboni-Missionare im Südsudan. Seine Aargauer Gastgeber, Pfarrer Roland Häfliger und Seelsorger Marko Župaric, zeigten sich tief bewegt: «Die armen Menschen haben in jahrzehntelangen Bürgerkriegen alles verloren und kämpfen täglich ums Überleben – da möchten wir mit unserem Gebet und Spenden helfen.» Auch die Gottesdienstteilnehmenden waren sehr beeindruckt von Pater Schmidts Engagement: «Unglaublich, welch harte Lebensumstände und Risiken er auf sich nimmt, da er jedes Jahr mehrmals an Malaria erkrankt. Man spürt, wie sehr ihm diese Menschen am Herzen liegen», sagte eine Besucherin. Für die Katechetin Paola Fischer war die Begegnung inspirierend: «Es war spannend zu hören, wie anders die Realität im Südsudan ist und welche Herausforderungen die Kirche dort hat. Ich nehme daraus viel mit für meine Arbeit.» Alltag voller Gewalt und Armut «Die Armut im Südsudan ist kaum vorstellbar», erzählte Pater Schmidt. Weil die meisten Menschen Analphabeten seien und es kaum Industrie gebe, lebten viele Familien von der Landwirtschaft. «Doch Dürren und Überschwemmungen zerstören immer wieder die Ernten und führen zu Hungersnöten», führte er aus. Der Stopp des humanitären Programms USAID habe die Lage zusätzlich verschärft, Krankheiten und Sterblichkeit nähmen dramatisch zu. Hinzu kämen gesellschaftliche Probleme: Viele Männer tragen Waffen, Konflikte zwischen Familienclans würden oft gewaltsam gelöst. Auch Polygamie sei kulturell tief verwurzelt – selbst unter Christen. «Wir versuchen zu zeigen, dass Jesus Liebe, Gewaltlosigkeit und Treue lehrt», so der Missionar. Kraft aus dem Glauben Trotz bitterster Not erlebt Pater Schmidt im Südsudan aber eine lebendige, junge Kirche, die grosse Kraft aus dem Glauben schöpft. «Die Menschen singen, tanzen und feiern ihren Glauben mit grosser Hingabe», erzählte Pater Schmidt begeistert. Oft dauerten Gottesdienste mehrere Stunden und würden unter freiem Himmel gefeiert, weil die Kirchen zu klein seien. In der Region von Malakal begleiten nur drei Priester, wenige Ordensschwestern und Katecheten Zehntausende Menschen in 80 Dörfern, die teils nur nach tagelangem Fussmarsch oder per Boot erreichbar sind. «Um sie zu erreichen, haben wir eine Kinderbibel in der Sprache Azande herausgegeben, damit die Kinder in ihrer Muttersprache lesen und schreiben lernen und wichtige Werte wie Vergebung und Feindesliebe kennenlernen können.» Konkrete Hilfe, die ankommt Inmitten von Korruption, Gewalt und politischer Instabilität ist die Kirche für viele Menschen die einzige verlässliche Institution: Sie betreibt Spitäler, begehrte Schulen und handwerkliche Ausbildungszentren und fördert die Friedensarbeit zwischen verfeindeten Volksgruppen. Wie dringend diese Hilfe gebraucht wird, zeigte sich zuletzt 2023, als Zehntausende Vertriebene aus dem Sudan in den Südsudan flohen. Pater Schmidts Diözese nahm viele Familien auf und versorgt sie bis heute mit Lebensmitteln. Solche Projekte sind nur dank Spenden aus der Schweiz möglich. Das Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) finanziert Existenzhilfe für Ordensgemeinschaften und Priester, Fahrzeuge für die Seelsorge in entlegenen Gebieten sowie den Wiederaufbau von Kapellen und Kirchen als Orte der Hoffnung und Gemeinschaft. KIRCHE IN NOT (ACN) ist ein internationales katholisches Hilfswerk päpstlichen Rechts, das 1947 als «Ostpriesterhilfe» gegründet wurde. Es steht mit Hilfsaktionen, Informationstätigkeit und Gebet für bedrängte und Not leidende Christen in ca. 140 Ländern ein. Seine Projekte sind ausschliesslich privat finanziert. Das Hilfswerk wird von der Schweizer Bischofskonferenz für Spenden empfohlen. Cysatstrasse 6 6004 Luzern Tel. 041 410 46 70 mail@kirche-in-not.ch IBAN CH55 0900 0000 6001 7200 9