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Pflegende Angehörige: Der Regierungsrat senkt die Tarife erneut

Pflegende Angehörige können sich von Spitex-Organisationen anstellen lassen. Dies hat dazu geführt, dass immer mehr Organisationen entstanden, die sich auf die Anstellung von Angehörigen spezialisierten. Mit Folgen für die Gemeinden: Diese haben mit immer höheren Kosten zu kämpfen. Der Regierungsrat reagiert nun, indem er die Tarife senkt. Wenn ein Mann seiner pflegebedürftigen Frau hilft, Stützstrümpfe anzuziehen oder sie bei der Körperpflege unterstützt, kann er sich auch ohne pflegerische Ausbildung von einer Spitex-Organisation anstellen lassen. Diese kann die Leistungen der Krankenkasse in Rechnung stellen. Im Aargau können Organisationen im Moment 81.50 Franken pro Pflegestunde verrechnen. Die Krankenkassen bezahlen davon 52.60 Franken. Die Differenz von 28.90 Franken tragen die pflegebedürftige Person (maximal 15.35 Franken/Tag) und ihre Wohnsitzgemeinde. Die Möglichkeit, pflegende Angehörige anzustellen, führte dazu, dass schweizweit immer mehr Organisationen entstanden, deren Geschäftsmodell ausschliesslich oder vorwiegend auf angestellten pflegenden Angehörigen basiert. Das Geschäft rentiert : Die Firmen bezahlen den Angehörigen in der Regel 30 bis 35 Franken pro Stunde , können aber aktuell die erwähnten 81.50 Franken in Rechnung stellen. Auch wenn den Spitex-Organisationen für die Administration, Kontrolle oder Betreuung der pflegenden Angehörigen Kosten entstehen, bleibt bei manchen Anbietern sehr viel Gewinn übrig. Gemeinden kämpfen mit immer höheren Restkosten Auf der anderen Seite sehen sich die Gemeinden mit immer höheren Restkosten konfrontiert. Darauf wies beispielsweise Jeanine Glarner, FDP-Grossrätin und Gemeindeammann von Möriken-Wildegg, in einem Vorstoss hin. Sie schrieb, 2024 seien in Möriken-Wildegg bei einer einstelligen Anzahl Fälle knapp 110'000 Franken für die Angehörigenpflege angefallen . Der Regierungsrat gibt nun Gegensteuer. Am Freitag teilte er mit, die Normkosten für die Angehörigenpflege per 1. Juli von 81.50 auf 67.10 Franken pro Pflegestunde zu senken. Der neue Tarif liege «innerhalb der Bandbreite der umliegenden Kantone», heisst es in der Mitteilung. Bereits per 1. Januar 2025 hatte der Regierungsrat die Normkosten für pflegende Angehörige von 91.50 auf die heutigen 81.50 Franken herabgesetzt. Verdienen pflegende Angehörige jetzt weniger? Die angepassten Tarife sind für alle privaten Spitex-Anbieter verbindlich. Der Regierungsrat empfiehlt den Gemeinden, mit ihren Vertrags-Spitexorganisationen vergleichbare Tarifsenkungen auszuhandeln. Ob die Organisationen den pflegenden Angehörigen den Stundenlohn wegen der tieferen Tarife kürzen, wird sich zeigen. Wie viel von den neu 67.10 Franken, die pro Pflegestunde in Rechnung gestellt werden können, an die angestellten pflegenden Angehörigen weitergegeben werden, ist gesetzlich nicht geregelt.

www.zofingertagblatt.ch

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