Sechs Aargauer Grossratsmitglieder verlangen vom Regierungsrat einen Bericht, wie man aus Femiziden lernen und sie so im besten Fall verhindern kann. Der Regierungsrat lehnt das Postulat ab. SP-Grossrätin Lelia Hunziker kritisiert den Entscheid. Der Zürcher Regierungsrat hat ein gleichlautendes Postulat entgegengenommen. Am Mittwoch hat ein 44-Jähriger in Birr seine 36-jährige Ehefrau erstochen – vor den Augen der beiden minderjährigen Kinder. Im Dorf dominieren in den Tagen nach der Tat Fassungslosigkeit und Trauer . Das Tötungsdelikt in Birr ist bereits der dritte Fall in diesem Jahr im Kanton Aargau, bei dem eine Frau Opfer einer Gewalttat wurde. Das Rechercheprojekt listet für das Jahr 2026 schweizweit 13 vollendete oder versuchte Femizide auf. Warum der Mann in Birr seine Frau getötet hat, werden die Ermittlungen zeigen. Fest steht: Bei Femiziden handelt es sich selten um spontane Taten. Oft sind die Täter den Behörden bekannt, weil es bereits zu Polizeieinsätzen wegen häuslicher Gewalt kam. «Gerade weil solche Risikokonstellationen häufig erkennbar sind, braucht es ein systematisches, indikatorengestütztes Monitoring», finden Grossratsmitglieder von SP, Grünen, EVP, Mitte und GLP. Im März haben sie im Grossen Rat ein Postulat eingereicht . Der Regierungsrat soll darlegen, wie man durch ein gezieltes Monitoring und Reviews aus Femiziden lernen kann. Regierungsrat ist für schweizweites Monitoring Der Regierungsrat lehnt das Postulat ab, wie die am Freitag publizierte Antwort zeigt. Er ist der Meinung, «dass ein solches Monitoring schweizweit erfolgen muss». Ein Monitoring auf kantonaler Ebene sei «nicht sinnvoll», weil der Datenaustausch zwischen den Polizeibehörden der verschiedenen Kantone in diesem Themenbereich nicht gewährleistet sei. In seiner Antwort verweist der Regierungsrat auch auf die Bestrebungen auf Bundesebene. Er nennt beispielsweise das Postulat der Basler Grünen-Nationalrätin Sibel Arslan, das eine «Machbarkeitsstudie bezüglich statistischer Erfassung von Femiziden» fordert. Der Bericht zum Postulat sollte voraussichtlich Ende 2027 vorliegen. Der Regierungsrat begrüsst, dass der Bund tätig wird. Dies sei folgerichtig. Ausserdem erwähnt er die bestehenden kantonalen Massnahmen zur Verhinderung und Bekämpfung von Gewalt an Frauen und häuslicher Gewalt. So habe die Kantonspolizei «bereits vor einiger Zeit» einen verbindlichen Interventionsprozess für Fälle häuslicher Gewalt geschaffen. Jeder Einsatz werde strukturiert erfasst, die Erkenntnisse würden dokumentiert. Innerhalb von 48 Stunden nach einem Einsatz informiere die Polizei verschiedene kantonale Stellen wie die Opferhilfe oder die Anlaufstelle gegen Häusliche Gewalt. Hunziker: «Wir wollen Femizide verhindern» SP-Grossrätin Lelia Hunziker findet es erstaunlich, dass der Regierungsrat das Postulat ablehnt. «Es geht uns mit dem Postulat nicht darum, Femizide zu zählen. Wir wollen Femizide verhindern.» Sie kenne Mitarbeitende von Opferhilfe-Organisationen, die mit Frauen, die später getötet wurden, Kontakt hatten. Sie fragten sich nach einem Tötungsdelikt, was sie falsch machten oder wo sie hätten nachhaken sollen. «Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass man Femizide und schwere Fälle von häuslicher Gewalt systematisch analysiert. Selbstkritisch, aber ohne Schuldzuweisung.» Die SP-Grossrätin ist überzeugt, dass nur so Lücken im System sichtbar werden und Polizei oder Opferhilfe-Organisationen daraus lernen können. «Anders als der Regierungsrat bin ich auch der Meinung, dass das auf Kantonsebene passieren muss», sagt Hunziker. Bei den involvierten Stellen handle es sich nämlich um kantonale Institutionen. «Aber es spricht natürlich nichts dagegen, dass sich die Kantone untereinander über ihre Erkenntnisse austauschen.» Aus diesem Grund sei das Postulat koordiniert in mehreren Kantonsparlamenten eingereicht worden, sagt Hunziker. Der Zürcher Regierungsrat hat die Forderung entgegengenommen.
Regierungsrat findet Monitoring von Femiziden auf Kantonsebene «nicht sinnvoll»