Zum Inhalt springen

Review: Nothing headphone (a) ANC-Over-Ears mit LDAC im Test

Prometheus Redaktion
Review: Nothing headphone (a) ANC-Over-Ears mit LDAC im Test

Der Hersteller Nothing baut sein Audio-Line-up weiter aus und die headphone (a) sind dabei ein spannender Schritt. Denn nach den deutlich teureren headphone (1) versucht Nothing hier, die auffällige Designsprache, die sehr gute App-Anbindung und viele moderne Audio-Funktionen in ein günstigeres Paket zu bringen. Ganz billig sind die Over-Ear-Kopfhörer mit 159 Euro bzw. SFr. natürlich nicht, aber für das, was auf dem Datenblatt steht, klingt der Preis zunächst ziemlich aggressiv. Auf der offiziellen deutschen Produktseite bewirbt der Hersteller das headphone (a) unter anderem mit bis zu 135 Stunden Akkulaufzeit, Hi-Res/LDAC-Unterstützung und haptischen Bedienelementen. Wir haben sie für euch ausprobiert. Lieferumfang des Nothing headphone (a) Beim Lieferumfang merkt man recht schnell, in welcher Preisklasse Nothing hier unterwegs sein will. Die headphone (a) kommen nicht mit einem luxuriösen Hardcase, das man direkt in einen überfüllten Rucksack werfen möchte, ohne sich Sorgen zu machen. Stattdessen liegt eine Tragetasche beziehungsweise ein Beutel bei. Das wirkt zunächst billig, hat aber einen gewissen Stil. Der Turnbeutel für die Kopfhörer ist zudem mit einem Innenfach für Kabel und Zubehör ausgestattet. Denn zu den headphone(a) gibt es ein USB-C-Kabel und ein 3-5-mm-Audiokabel, aber kein Ladegerät. Die Kopfhörer können nicht nur per USB-C aufgeladen werden, sondern sind auch mit einem USB-DAC ausgestattet und erlauben so die digitale Audioübertragung per USB-C-Kabel. Sony Inzone H9 II im Test: Gaming-Headset mit WH-1000XM6 Treibern im Check Review: Bowers & Wilkins PX5 HiFi Bluetooth OnEars mit ANC im Test Das Gehäuse setzt stärker auf Kunststoff, was in dieser Preisklasse völlig in Ordnung ist. Das senkt zudem auch Gewicht und Preis. Das Gewicht liegt bei rund 310 Gramm. Technisch bietet Nothing in dieser Preisklasse erstaunlich viel. Die headphone (a) setzen auf 40-mm-Treiber und decken laut mehreren Spezifikationsangaben einen Frequenzbereich von 20 Hz bis 40 kHz ab. Verbaut ist intern ein 1060 mAh fassender Akku, Bluetooth 5.4, SBC, AAC und LDAC, vier Mikrofone, adaptive ANC bis 40 dB, Spatial Audio, Dual Connection und die Kopfhörer sind nach Schutzklasse IP52 gegen Wasser und Staub gefeilt. Das ist ziemlich ordentlich. Vor allem LDAC und USB-C-Audio sind Punkte, die viele günstigere Bluetooth-Kopfhörer entweder gar nicht oder nur halbherzig anbieten. Die Anschlüsse sitzen sinnvoll erreichbar an der rechten Ohrmuschel, ebenso wie die Bedienelemente. USB-C dient nicht nur zum Laden, sondern auch für die Audioübertragung. Dazu kommt die 3.5-mm-Stereoklinke. Das ist ein grosses Plus, denn damit sind die headphone (a) deutlich flexibler als viele rein kabellose Modelle. Wer unterwegs möglichst bequem sein will, nutzt Bluetooth 5.4. Wer am Rechner sitzt und maximale Stabilität oder bessere Qualität möchte, greift wohl zu USB-C. Wer an älteren Geräten, Monitoren, Controllern oder Audiointerfaces hängt oder aber auf HiFi-Audio steht, nimmt sicherlich die Klinke. Genau so muss ein moderner Over-Ear-Kopfhörer eigentlich ausgestattet sein. Die Geräuschunterdrückung wird von Nothing mit bis zu 40 dB angegeben. Als Bedienelemente kommen hier ein mechanischer Schiebschalter an der Unterseite des rechten Ohrhörers neben den Anschlüssen sowie an der Rückseite des echten Ohrhörers ein Wippe und ein Roller zum Einsatz. Der Roller dient primär der Lautstärkenregelung und die Wippe für die Steuerung der Musik. Beide werden horizontal bedient. Das heisst, man streicht von links nach rechts oder von rechts nach links über den Rollschalter, um die Lautstärke zu vermindern oder zu erhöhen. Und bei der Wippe kippt man diese nach links, um ein Musikstück zurück zu springen und nach rechts, um eins weiter zu springen. Das ist ungewöhnlich heutzutage, wo viele Hersteller nur noch auf Touch-Elemente setzen, bietet aber einen ebenso ungewohnten Bedienkomfort. Bilder: PocketPC.ch / Jeanrenaud Im Alltag machen die Nothing headphone (a) Over-Ear-Kopfhörer zunächst einen sehr sympathischen Eindruck. Sie sind auffällig, aber nicht peinlich auffällig. In Schwarz wirken sie sogar überraschend zurückhaltend. Wer Nothing wegen des Designs mag, bekommt genug Eigenständigkeit. Wer bei den headphone (1) noch dachte, dass die Optik zu verspielt ist, könnte mit den headphone (a) eher warm werden. Die Linien sind weniger hart, die Gesamtform wirkt etwas normaler und trotzdem bleibt genug Charakter übrig. Neben Schwarz gibt es das headphone (a) auch in Weiss, Gelb und Pink, wobei nur der flache, abgerundete Innenteil die Farbe wirklich ändert. Kopfbügel und Schale der Ohrhörer sind Sets weiss mit schwarzen Polstern. Nur bei der schwarzen Variante wie bei uns im Test ist alles in Schwarz gehalten. Der Lieferumfang ist absolut zeitgemäss, aber nicht unbedingt edel. Gerade bei Over-Ear-Kopfhörern ist ein ordentliches Case in meinen Augen mehr als nur ein nettes Extra. Diese Dinger sind gross, landen oft in Taschen, werden auf Reisen mitgenommen und müssen zwischen Notebook, Powerbank, Kabeln und Ladegeräten überleben. Ein Stoffbeutel schützt vor Staub und leichten Kratzern, aber eben nicht vor Druck oder Stössen. Hier merkt man also klar, dass Nothing den Preis drücken wollte. Auf der anderen Seite ist es sehr positiv, dass Nothing nicht beim wichtigen Zubehör spart. Ein USB-C-Kabel ist Pflicht, ein 3.5-mm-Kabel ist aber längst nicht mehr selbstverständlich. Gerade weil die headphone (a) eben nicht nur per Bluetooth sondern auch kabelgebunden genutzt werden können, ist das ein wichtiger Punkt. Wer am Notebook, am Handheld, an einer Konsole, an einem Interface oder im Flugzeug unterwegs ist, wird diese Option schätzen. Video: Nothing Übrigens: Wer bereits die headphone (1) kennt, wird den Unterschied beim Zubehör und Material recht schnell bemerken. Die headphone (a) sind weniger luxuriös inszeniert, fühlen sich aber nicht nach einem radikalen Downgrade an. Vielmehr wirkt das Paket pragmatischer. Hier wurde offenbar nicht versucht, jedes kleine Detail besonders hochwertig zu machen, sondern möglichst viel Funktion in den Preisrahmen zu drücken. Genau das ist bei einem Modell mit "(a)"-Label durchaus nachvollziehbar. Die Verpackung selbst ist Nothing-typisch sauber, reduziert und visuell klar. Es gibt keinen übertriebenen Premium-Zirkus, keine unnötigen Plastikschalen und keinen Lieferumfang, der mehr nach Marketing als nach echtem Nutzen aussieht. Das passt zum Produkt. Die headphone (a) sollen bezahlbarer sein, aber nicht billig wirken. Das gelingt beim ersten Auspacken weitgehend. Nur beim Schutzbeutel bleibt ein leicht gemischter Eindruck zurück. Für den Schreibtisch und den Alltag reicht er, für Reisen hätte ich mir ein stabileres Case gewünscht. Verarbeitung und Tragekomfort Die Verarbeitung des headphone (a) von Nothing ist für 159 Euro bzw. SFr. absolut in Ordnung. Nein, das fühlt sich nicht nach Luxus-Kopfhörer für 400 Zähler aufwärts an. Da haben wir schon deutlich edlere Teile getestet. Aber das muss es auch nicht. Die headphone (a) wirken solide und sauber montiert. Die Kunststoffoberflächen sind nicht so edel wie Metall, sorgen aber dafür, dass das Gewicht im Rahmen bleibt. Das ist in meinen Augen der richtige Kompromiss. Ein Kopfhörer, der auf dem Kopf getragen wird, darf gerne ein paar Gramm sparen, selbst wenn dafür etwas weniger Premium-Gefühl entsteht. Mit 310 Gramm sind die Nothing headphone (a) durchaus noch als leicht zu bezeichnen. Das Gewicht von 310 Gramm ist für Over-Ear-Kopfhörer nicht ultraleicht, aber auch nicht dramatisch schwer. Man merkt sie auf dem Kopf, besonders bei längeren Sitzungen, aber sie sind weit entfernt von einem unangenehmen Klotz. Wichtig ist hier eher der Anpressdruck. Nothing setzt auf einen recht sicheren Sitz, was für ANC und Bassfundament hilft, empfindliche Köpfe aber nach mehreren Stunden etwas stören könnte. Beim Aufsetzen merkt man sofort, dass Nothing nämlich einen sicheren Sitz priorisiert. Das headphone (a) sitzt nicht locker auf dem Kopf, sondern schliesst recht bestimmt ab. Das hilft der passiven Isolation und sorgt dafür, dass der Bass nicht ausdünnt. Gleichzeitig ist es eine Frage des Kopfs. Wer empfindlich auf Druck reagiert oder eine Brille mit filigranen Bügeln trägt, sollte die Kopfhörer vor dem Kauf unbedingt ausprobieren. Für kurze Strecken, Pendeln, Arbeit am Notebook oder längere Musik-Sessions ist der Sitz grundsätzlich gut, aber nach einigen Stunden kann der Anpressdruck spürbar werden. Insgesamt sind die Ohrpolster gross genug, um die Ohren gut zu umschliessen. Die Abdichtung ist ordentlich, was wiederum ANC und Bass zugutekommt. Gleichzeitig entsteht unter geschlossenen Over-Ears immer etwas Wärme. Wer im Sommer lange hört oder schnell schwitzt, wird das merken. Das ist kein spezielles Nothing-Problem, sondern typisch für geschlossene ANC-Kopfhörer. Das Kopfband verteilt das Gewicht solide, aber 310 Gramm verschwinden nicht völlig. Besonders leichte Kopfhörer fühlen sich luftiger an. Die headphone (a) sitzen dafür stabiler. Das ist beim Gehen, Pendeln oder schnellen Bewegungen angenehm. Im Fitnessstudio würde ich sie trotz IP52 eher nicht als erste Wahl sehen. IP52 bedeutet Schutz gegen Staub und leichtes Spritzwasser, aber keine echte Sport- oder Regenfestigkeit. Für Alltag, Büro und Reisen reicht es. Für schweisstreibendes Training gibt es bessere Optionen. Mit Brillen hängt viel von den Bügeln ab. Dünne Brillenbügel sind meist kein Problem, filigrane Metallbügel könnten sich indes gar verbiegen. Dickere Bügel können den Sitz beeinflussen und nach längerer Zeit Druck erzeugen. Das gilt für viele Over-Ears, aber bei einem etwas festeren Anpressdruck fällt es stärker auf. Wer empfindlich ist, sollte die headphone (a) unbedingt einmal 20 bis 30 Minuten probetragen, statt nur kurz im Laden aufzusetzen. Für mich sind die headphone (a) von Nothing druchaus angenehm trotz Brille mit breiten Kunststoffbügeln zu tragen. Verbindung und Klang Die Verbindung per Bluetooth 5.4 läuft unauffällig, wie es sein soll. Multipoint ist eines dieser Features, die man schnell nicht mehr missen möchte. Am Notebook einen Stream schauen, auf dem Smartphone kommt ein Anruf rein, kurz wechseln, danach zurück zum Rechner: Genau solche Situationen machen moderne Kopfhörer angenehmer. Die Nothing headphone (a) unterstützen Google Fast Pair, Microsoft Swift Pair und Multipoint beziehungsweise Dual-Device-Funktionen. Es können zwei Gerte gleichzeitig verbunden bleiben. Sehr überzeugend ist die Flexibilität bei den Eingängen. Gerade für alle, die nicht nur mit dem Smartphone Musik hören, sondern auch am PC, am Mac, an einem Gaming-Handheld oder an einer Konsole unterwegs sind, ist das Gold wert. Das headphone (a) fühlt sich nicht wie ein geschlossenes Bluetooth-Gadget an, sondern eher wie ein universeller Kopfhörer mit moderner Funkoption. Das ist ein grosser Vorteil gegenüber vielen Lifestyle-Kopfhörern, bei denen Kabelbetrieb entweder fehlt oder nur halbherzig umgesetzt ist. Auch wird die USB-C-Verbindung an allen modernen Betriebssystemen, iOS und Android, sofort erkannt und kann nahtos benutzt werden. Ebenso klappt das mit der Stereoklinke. Allerdings gibt es einen Wermutstropfen: Es geht nur eine Anschlussart gleichzeitig. Man kann nicht Bluetooth und 3.5-mm Stereoklinke zeitgleich einsetzen, obschon das headphone (a) in jedem Fall eingeschaltet sein muss. Akkulaufzeit Die Akkulaufzeit ist durchaus beachtlich. Nothing spricht offiziell von bis zu 135 Stunden Wiedergabe ohne ANC bei 50 Prozent Lautstärke und AAC, dazu von einer vollständigen Ladung in 120 Minuten und bis zu acht Stunden Wiedergabe nach fünf Minuten Schnellladen unter bestimmten Bedingungen. Selbst wenn man im Alltag deutlich darunter bleibt, ist das beachtlich. Mit aktiviertem ANC werden in externen Spezifikationen bis zu 75 Stunden genannt, was für Over-Ear-Kopfhörer in dieser Klasse ebenfalls beeindruckend ist. Das verändert tatsächlich die Nutzung. Bei vielen Kopfhörern denkt man ständig daran, sie nachzuladen. Bei den Nothing headphone (a) vergisst man das Thema fast. Pendeln, Homeoffice, Serien, Musik, Telefonate, mal ein Kabelbetrieb am Notebook: Der Akku ist immer noch nicht leer. Genau solche Produkte sorgen dafür, dass Technik aus dem Weg geht. Das ist deutlich wichtiger als irgendein Mini-Feature, das man zwei Mal ausprobiert und danach vergisst. In unserem Test konnten wir gut 60 Stunden ohne Aufladen Musik mit aktivem ANC hören, inklusive vollen Zügen und Stereoklinke am externen USB-DAC von AudioQuest. Dieser ist, mit 24-Bit und 96 kHz bei 1.2 V deutlich potenter als der eingebaute DAC von Nothing, was man auch am Klang hört, doch dazu später mehr. Bedienung: toll, aber keine Trageerkennung Richtig stark sind die physischen Bedienelemente. Viele Hersteller setzen auf Touchflächen, die im Alltag oft mehr nerven als helfen. Man wischt versehentlich, trifft die Fläche nicht richtig, löst beim Absetzen eine Aktion aus oder muss im Winter mit Handschuhen kämpfen. Nothing geht einen anderen Weg mit den mechanischen Tasten, Roller und Wippe. Genau das ist im Alltag durchaus angenehm. Die haptischen Kontrollen sind per App anpassbar und erfolgt je nach Gerät direkt über Nothing OS oder über die Nothing X App. Gerade der Roller für die Lautstärke ist ein Highlight. Lauter, leiser, Track-Steuerung, ANC-Modi, Assistent oder andere Funktionen lassen sich natürlicher bedienen als über winzige Touchzonen. Das klingt wie ein Detail, ist im Alltag aber durchaus toll. Kopfhörer nutzt man oft unterwegs, im Zug, am Schreibtisch, beim Kochen und Putzen, beim Zocken oder beim schnellen Wechsel zwischen Geräten. Da will niemand jedes Mal das Smartphone suchen, entsperren und in einer App herumtippen. Ein kleiner Kritikpunkt: Eine automatische Trageerkennung gehört in dieser Preisklasse inzwischen eigentlich dazu. Das Nothing headphone (a) hat keine Auto-Pause-Funktion. Das ist kein Dealbreaker, aber schade. Gerade bei Over-Ears ist es extrem praktisch, wenn Musik automatisch pausiert, sobald man die Kopfhörer abnimmt. Nothing spart hier an einer Stelle, die im Alltag durchaus auffällt. Gutes ANC, passable Telefonqualität Das ANC macht einen ordentlichen Job. Der Hersteller gibt 40 dB Dämpfleistung an. Wichtig ist hierbei: Nothing weist selbst darauf hin, dass dieser Wert ein theoretischer Maximalwert aus Labormessungen ist und die reale Wirkung von der Umgebung abhängt. Das ist kein ungewöhnlicher Hinweis, aber einer, den man ernst nehmen sollte. ANC ist nie nur eine Zahl. Entscheidend ist, wie gut tieffrequente Geräusche, Stimmen, Tastaturen, Wind, Verkehr und wechselnde Geräuschkulissen reduziert werden. Gerade in dieser Preisklasse kann man keine absolute Spitzenklasse erwarten. Trotzdem ist es beachtlich, dass Nothing hier adaptives ANC samt Transparenzmodus anbietet. Tieffrequente Geräusche werden erwartungsgemäss am besten reduziert: Verkehr, Zugbrummen, Lüfter, Klimaanlagen und allgemeines Hintergrundrauschen treten merklich zurück. Stimmen verschwinden nicht vollständig, werden aber gedämpft. Im Büro hilft das, um konzentrierter zu arbeiten. In der Bahn ist es angenehm, aber nicht magisch. Wer absolute ANC-Spitzenklasse sucht, wird bei den bekannten Premium-Modellen von Bose und Sony vermutlich noch mehr Ruhe bekommen. Für 159 Euro bzw. SFr. ist die Leistung aber gut. Der Transparenzmodus ist praktisch, wenn man kurz mit jemandem sprechen, eine Ansage hören oder im Verkehr nicht komplett abgeschottet sein möchte. Wie bei vielen Kopfhörern klingt er nicht völlig natürlich. Man merkt, dass Mikrofone arbeiten. Trotzdem ist er gut genug, um nicht ständig die Kopfhörer abnehmen zu müssen. Und genau darum geht es. In Kombination mit den physischen Bedienelementen ergibt sich ein sehr alltagstaugliches Paket. Bei Telefonaten sind die headphone (a) solide, aber keine Wunderwaffe. Vier Mikrofone und KI-gestützte Geräuschunterdrückung klingen auf dem Papier gut, aber in lauten Umgebungen sind Over-Ear-Kopfhörer ohne Boom-Mikrofon weiterhin limitiert. Für Meetings im Homeoffice, kurze Telefonate und ruhige Räume reicht es. Wer täglich stundenlang in lauten Cafés telefoniert oder professionelle Sprachqualität braucht, sollte aber weiterhin zu einem Headset mit besserem Mikrofon greifen. Nothing App Die Nothing X App ist ein grosser Teil des Gesamterlebnisses. Nothing hat verstanden, dass moderne Kopfhörer nicht nur aus Treibern, Bügeln und Akkus bestehen. Die Software entscheidet inzwischen stark darüber, wie flexibel und langfristig brauchbar ein Produkt ist. Über die App lassen sich Firmware-Updates einspielen, ANC-Einstellungen kontrollieren, Equalizer anpassen und weitere Funktionen konfigurieren. Nothing beschreibt diese Möglichkeiten im eigenen Supportbereich ebenfalls für die Nothing X App. Die App ist visuell typisch Nothing: klar, hell, reduziert und nicht mit Menüs überladen. Das ist angenehm. Viele Audio-Apps wirken inzwischen wie kleine Betriebssysteme, in denen man zehn Ebenen tief eintauchen muss, nur um den Bass etwas zu reduzieren. Nothing macht es übersichtlicher. Akkuanzeige, Geräuschunterdrückung, Transparenzmodus, Klangprofile und Bedienung sind schnell erreichbar. Das passt hervorragend zu Kopfhörer. Besonders wichtig ist der Equalizer. Die headphone (a) klingen nicht für jeden Geschmack perfekt aus der Box. Mir waren sie deutlich zu basslastig. Gerade wer eine neutralere Abstimmung bevorzugt, wird ein wenig nachregeln wollen. Wer hingegen noch mehr Druck im Bass mag, kann ebenfalls nachhelfen. Die App macht aus den Kopfhörern also kein starres Produkt, sondern ein anpassbares. Das ist bei Nothing inzwischen fast ein Markenzeichen. Unter anderem ist hier ein 8-Band-EQ und Spatial-Audio-Einstellungen in der Nothing X App zu finden. Die anpassbaren Bedienelemente sind ebenfalls ein starkes Argument. Den nicht alle haben hier die gleichen Prioritäten bei der Bedienung. Manche wollen schnell zwischen ANC und Transparenz wechseln. Andere möchten den Sprachassistenz per Taste nutzen. Wieder andere wollen den EQ wechseln oder die Wiedergabe steuern. Die headphone (a) geben hier mehr Freiheit als viele klassische Kopfhörer. Nothing OS integriert die Einstellungen zwar direkter, aber andere Android- und iOS-Phones können die Nothing X App ebenfalls verwenden. Die App ist aber auch ein kleiner Hinweis darauf, wie wichtig Softwarepflege wird. Kopfhörer dieser Art sind nicht mehr einfach “fertig”, wenn sie aus der Box kommen. Klang, Stabilität, ANC-Verhalten und Bedienung können sich über Updates verbessern oder verändern. Das ist grundsätzlich positiv, setzt aber voraus, dass Nothing die App und Firmware langfristig ordentlich pflegt. Bisher macht Nothing hier einen guten Eindruck, aber Käufer sollten sich bewusst sein: Ein Teil des Produkts ist Software. Für Gaming gibt es noch den Low-Latency-Aspekt. Der Hersteller gibt an, dass die Latenz mit Nothing Phones und aktiviertem Game Mode auf bis zu 120 ms reduziert werden kann. Das ist für Gelegenheitsspiele und Videos absolut brauchbar, für kompetitives Gaming aber weiterhin kein Ersatz für kabelgebundene Lösungen oder spezialisierte Funk-Dongles. Wer Counter-Strike, Valorant oder schnelle Rhythmusspiele ernsthaft spielt, sollte das berücksichtigen. Für Steam Deck, Switch, Mobile Games oder gemütliches Spielen ist es dagegen völlig in Ordnung. Der Klang: Solide, aber nicht für alles bestens geeignet Kommen wir zum wohl wichtigsten Punkt für viele: dem Klang. Die Nothing headphone (a) sind keine nüchternen Studiokopfhörer. Sie wollen laut Hersteller vor allem Spass machen. Der Klang ist eher modern, energisch und kräftig abgestimmt. Bass ist vorhanden, ohne völlig unkontrolliert zu wirken. Pop, elektronische Musik, Hip-Hop, moderne Rockproduktionen, Gaming-Soundtracks und Serien profitieren davon. Der Kopfhörer liefert Druck, ohne dass alles sofort matschig wird. Die 40-mm-Treiber sorgen für eine ordentliche Grundlage. Stimmen stehen klar genug im Mix, Instrumente werden sauber getrennt und die Bühne wirkt für geschlossene Bluetooth-Over-Ears angenehm breit. Der Klang der headphone (a) ist als deutlich expansiver und energiegeladener als beim headphone (1) zu beschreiben, hat aber durchaus Schwächen bei Detailzeichnung und Sattheit. Es handelt sich um keinen analytischer Kopfhörer für Fans puren Audiogenusses, sondern ein sehr unterhaltsamer Allrounder. LDAC Mit LDAC wird die Sache für Android-User noch spannender. LDAC kann gegenüber SBC und AAC mehr Daten übertragen und eignet sich damit besser für hochwertige Musikquellen. Natürlich ersetzt LDAC keine gute Abstimmung und keine guten Treiber, aber es gibt dem Kopfhörer mehr Spielraum. Wer Tidal, Qobuz, Apple Music Lossless über Kabel oder lokale Dateien nutzt, wird vor allem per USB-C oder LDAC das Maximum aus den headphone (a) herausholen wollen. Sonys LDAC ist ein dynamischer Codec, der Dateien in drei Stufen komprimiert: 330 kBit/s, 660 kBit/s und 990 KBit/s. Nothing bewirbt die Kopfhörer darum offiziell mit Hi-Res- und LDAC-Zertifizierung. Über AAC am iPhone klingt der Kopfhörer immer noch gut, aber iPhone und iPads bekommen nicht den gleichen Codec-Vorteil wie Android-Geräte mit LDAC-Support. Das ist kein Nothing-spezifisches Problem, sondern Apples Codec-Politik. Trotzdem sollte man es erwähnen. Wer tief im Apple-Ökosystem steckt, bekommt mit den headphone (a) weiterhin ein gutes Produkt, aber nicht alle technischen Möglichkeiten. Die hauseigene App funktioniert zwar auch auf iOS, LDAC bleibt aber Android bzw. anderen kompatiblen Quellen vorbehalten. Der Bass ist einer der Bereiche, in denen die App wichtig wird. Aus der Box kann der Klang je nach Preset etwas kräftig wirken. Für elektronische Musik ist das super, für akustische Stücke oder Stimmen manchmal etwas zu viel. Mit dem EQ lässt sich das gut korrigieren. Genau hier punkten die headphone (a): Sie lassen sich dem eigenen Geschmack anpassen, statt eine Abstimmung vorzuschreiben. Wer mehr Neutralität möchte, reduziert Bass und obere Höhen leicht. Wer maximale Energie will, lässt alles so oder hebt sogar noch etwas an. Die Höhen sind präsent genug, um Details zu liefern, können bei manchen Tracks aber etwas direkt wirken. Schlechte Aufnahmen werden nicht unbedingt geschönt. Das ist einerseits gut, weil der Kopfhörer nicht dumpf klingt. Andererseits kann es bei sehr hell gemischter Musik etwas anstrengend werden. Auch hier hilft der Equalizer. Nothing hat hier nicht den perfekt seidig-weichen Premium-Klang getroffen, aber eine sehr brauchbare Balance aus Spass, Klarheit und Anpassbarkeit. Für Filme und Serien sind die headphone (a) ebenfalls gut geeignet. Stimmen bleiben verständlich, Effekte haben genug Druck und die Bühne wirkt nicht klaustrophobisch. Spatial Audio ist vorhanden, sollte aber nicht mit echter Heimkino-Magie verwechselt werden. Es kann Inhalte etwas räumlicher wirken lassen, ist aber eher ein Zusatzfeature als der Hauptgrund für den Kauf. Für YouTube, Netflix, Prime Video, Disney+ oder lokale Filme am Tablet ist das Gesamtpaket sehr angenehm. Mit 159 Euro in Deutschland positioniert Nothing das headphone (a) sehr clever. Die Kopfhörer sind deutlich günstiger als viele Premium-Kopfhörer, bieten aber eine Ausstattung, die sich auf dem Papier nicht verstecken muss: ANC, Transparenzmodus, LDAC, Hi-Res, Bluetooth 5.4, USB-C-Audio, Klinke, Multipoint, App-EQ, anpassbare Tasten, IP52 und eine Akkulaufzeit, die fast schon absurd hoch ist. Und genau hier wird es interessant. Die headphone (a) wollen nicht einfach nur ein weiteres Paar Bluetooth-Kopfhörer sein, das irgendwie ein bisschen ANC kann und in einer App ein paar Regler anbietet. Nothing versucht erneut, Kopfhörer als Lifestyle-Gadget zu verkaufen, nur dieses Mal mit einem deutlich vernünftigeren Preisschild. Dazu kommen Over-Ear-Bauweise, 40-mm-Treiber, Bluetooth 5.4, LDAC, USB-C-Audio, 3.5-mm-Klinke, Multipoint, adaptive Geräuschunterdrückung, Transparenzmodus, IP52-Zertifizierung und diese für Nothing typischen mechanischen Bedienelemente. Natürlich gibt es Kompromisse. Das fehlende Hardcase ist schade. Die automatische Trageerkennung fehlt. Die Materialwahl ist pragmatischer als luxuriös. Das ANC ist gut, aber nicht auf absolutem High-End-Niveau. Der Klang ist eher unterhaltsam als neutral. Und wer besonders empfindlich auf Anpressdruck reagiert, sollte vor dem Kauf testen. Aber genau diese Kritikpunkte muss man gegen den Preis halten. Denn für 159 Euro liefern die Nothing headphone (a) als Kopfhörer ein ungewöhnlich rundes Paket. Sie sind nicht nur optisch anders, sondern auch funktional stark. Die physischen Bedienelemente sind ein echter Vorteil im Alltag. Die App ist übersichtlich und mächtig genug. Die Anschlussvielfalt ist besser als bei vielen Mitbewerbsprodukten. Und die Akkulaufzeit ist schlicht ein Verkaufsargument, das man nicht ignorieren kann. Selbst wenn man die Herstellerangaben im Alltag nicht vollständig erreicht, bleibt eine enorme Reserve und wird mit den drei Anschlussmöglichkeiten Bluetooth 5.4, Stereoklinke und USB-C kompletiert.

www.pocketpc.ch

Zum Originalartikel