Quelle: journal21.ch
Pawel Pawlikowskis Schwarz-Weiss-Film «Vaterland» schliesst seine Geschichtstrilogie ab und begleitet Thomas Mann 1949 auf seiner ersten Nachkriegsreise durch das zerstörte Deutschland. Der Regisseur inszeniert ein Drama über doppelten Verlust: Der Schriftsteller hat nicht nur seine Heimat, sondern auch den Resonanzraum seiner Sprache eingebüsst. In präzisen, kühlen Bildern zeigt der Film die Konfrontation des Exilanten mit einer Gesellschaft aus Mitläufern und einer zerrütteten Familie. Nach dem Suizid des Sohnes Klaus brechen die Fassaden auf – die Tochter Erika wirft dem emotional distanzierten Vater vor, sich in eine Festung aus Worten geflüchtet zu haben. Hanns Zischler verkörpert Thomas Mann mit steinernem Ernst zwischen Repräsentationswillen und Narzissmus.