NewsletterShop Member werden Lehrpersonen kritisieren Schulleitung «Höchste Zeit, dass das ED ein neues Leitungsmodell entwickelt» Eine Umfrage der Starken Schule beider Basel spricht von «Angstkultur» und «Machtungleichgewichten» an Schulen. Lehrpersonen und Schulleitungs-Verbände kritisieren die Umfrage und dessen Ergebnisse scharf. Trotzdem muss die Basler Regierung den Sachverhalt nun unter die Lupe nehmen. «Angstkultur», «Mobbing», «Willkür», «Drohungen». Diese Worte waren in einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Vereins «Starke Schule beider Basel (SSbB)» zu lesen. Worte, mit denen ein Teil der mehr als 1000 befragten Lehrpersonen aus beiden Basel ihre Beziehung zu ihren Schulleitungen beschrieb. Der Tenor der Umfrage wirkt alarmierend: Viele Lehrpersonen fühlten sich von ihren Schulleitungen nicht gleich behandelt und äusserten Kritik nur zurückhaltend – aus Sorge vor möglichen Konsequenzen. In Basel-Stadt berichtet mehr als die Hälfte der Befragten von Ungleichbehandlung, in Baselland rund ein Drittel. Zudem findet fast jede zweite Lehrperson im Stadtkanton, dass Schulleitungen über zu viel Macht verfügen. Besonders tief bewertet wird gemäss der Umfrage der SSbB das Gymnasium Bäumlihof: Nur rund die Hälfte der Lehrpersonen berichte dort von Vertrauen, Respekt und Unterstützung durch die Schulleitung, zudem befürchteten 56,3 Prozent negative Konsequenzen bei Kritik. Auch die Gymnasien Münsterplatz und Münchenstein schneiden unterdurchschnittlich ab. Lehrer*innen und Verbände kritisieren Methodik der Studie Auf Anfrage von Bajour zur neusten Umfrage der SSbB geben sich viele Lehrpersonen bedeckt und verweisen auf das Erziehungsdepartement. Einzelne Lehrpersonen schreiben jedoch, dass die «tendenziösen und inflationären Umfragen» der SSbB zunehmend auch nerven. Das ist der Verein «Starke Schule beider Basel» Die heutige Starke Schule beider Basel (SSbB) geht auf die von dem Baselbieter Lehrer und Politiker Jürg Wiedemann gegründete Starke Schule Baselland zurück. Wiedemann, der als Sekundarlehrer arbeitet und lange politisch aktiv war, baute die Organisation als Interessenvertretung von Lehrpersonen auf. Bekannt wurde die Starke Schule vor allem durch ihre Kritik an Bildungsreformen, Sparmassnahmen und schulpolitischen Entscheiden. Der Stil der Organisation war von Beginn an stark von Wiedemann geprägt, der bereits bei der GSoA (Gruppe für eine Schweiz ohne Armee) Erfahrungen in politischer Mobilisierung gesammelt hatte. Die Basler Zeitung beschrieb ihn einst als «Der rebellische Schelm». Alles lesen Die Schulleitungen beider Basel liessen die harsche Kritik aus der Umfrage nicht unkommentiert. So zeigt sich der Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter Basel-Landschaft (VSLBL) irritiert über die «einseitige Stossrichtung, die anreisserische Machart sowie die methodischen und inhaltlichen Schwächen». Mit 1176 Teilnehmenden habe gemäss VSLBL nur rund jede achte Lehrperson aus beiden Basel an der Befragung teilgenommen, weshalb die Resultate nicht repräsentativ seien. Zudem sei unklar, wer genau an der Umfrage teilgenommen habe. Die Schulleitungen verweisen weiter auf eine kantonale Mitarbeitendenbefragung von 2025, die ein anderes Bild zeichne: Lehrpersonen würden ihren Schulleitungen mehrheitlich vertrauen und deren Unterstützung sowie Kommunikation positiv bewerten. Kritisiert wird auch die Methodik der SSbB-Umfrage. Die Fragen seien einseitig auf Konflikte ausgerichtet und teilweise unrealistisch formuliert. Kürzer hält sich der Baselstädtische Verband der Schulleiter*innen: Sie schreiben auf Anfrage, der Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter Basel-Stadt nehme zur Umfrage keine Stellung. Er erachte diese als «unwissenschaftlich, nicht repräsentativ und prätentiös». Grossrätin interveniert: Jetzt muss die Regierung Antworten liefern «Es gibt sehr gute, engagierte Schulleitungen, die sich für die Kinder und das Kollegium einsetzen. Aber es gibt auch die anderen, die möglichst nicht zu viel Aufwand betreiben wollen, wenig Empathie haben, gerne in einer Machtposition sind oder einfach überfordert», schreibt Sasha Mazzotti bei Bajours Frage des Tages zu dem Thema. Die Primarlehrerin und langjährige SP-Grossrätin will nun klären, was an den Ergebnissen der Umfrage tatsächlich dran ist und wie das Erziehungsdepartement (ED) darauf reagiert. Gemeinsam mit Zaira Esposito hat die SP-Fraktion deshalb zwei schriftliche Anfragen an die Regierung eingereicht. «Es gibt auch die anderen, die möglichst nicht zu viel Aufwand betreiben wollen, wenig Empathie haben, gerne in einer Machtposition sind» SP-Grossrätin und Primarlehrerin Sasha Mazzotti Der Regierungsrat soll unter anderem Auskunft darüber geben, wie häufig Schulleitungen in den letzten zehn Jahren gewechselt haben, aus welchen Gründen Abgänge erfolgen und wie hoch der Anteil vorzeitiger Austritte oder krankheitsbedingter Ausfälle ist. Zudem soll aufgezeigt werden, wie attraktiv die Schulleitungsstellen sind – etwa anhand der Anzahl Bewerbungen und wiederholter Ausschreibungen. «Das Schulleitungsmodell in Basel-Stadt ist überholt, denn Schulleitungen müssen sowohl die pädagogische als auch die administrative Führung übernehmen und die Schulentwicklung vorantreiben, um nur ein paar Punkte zu nennen», so Mazzotti. Deshalb fragt sie in ihrer schriftlichen Anfrage auch, ob sich die Ressourcen und Führungsspannen zwischen den Schulstufen unterscheiden und ob die teilweise höhere Belastung auf der Primarstufe bei der Planung berücksichtigt wird. Ihr Fazit: «Höchste Zeit also, dass das ED proaktiv vorgeht und ein neues Leitungsmodell entwickelt.» Shahed Staub UmfrageSchuleErziehungsdepartement Lea Meister am 03. Juni 2026 «Tief ungenügende Resultate»: Lehrpersonen kritisieren Schulleitungen Die Starke Schule beider Basel hat eine Umfrage zur Zusammenarbeit der Lehrpersonen mit den Schulleitungen durchgeführt. Die Ergebnisse seien «teilweise erschreckend», schreibt der Verein. Weiterlesen Basel Briefing Das wichtigste für den Tag Jetzt Abonnieren Jetzt Member Werden Das könnte dich auch interessieren Lea Meister am «Tief ungenügende Resultate»: Lehrpersonen kritisieren Schulleitungen Die Starke Schule beider Basel hat eine Umfrage zur Zusammenarbeit der Lehrpersonen mit den Schulleitungen durchgeführt. Die Ergebnisse seien «teilweise erschreckend», schreibt der Verein. Weiterlesen Lea Meister am 12. Mai 2026 Cyberangriffe auf Baselbieter Schulnetz Mitte April ist es zu sogenannten DDoS-Angriffen auf das Baselbieter Schulnetz gekommen. Diese können ganze Infrastrukturen lahmlegen. Wer dahintersteckt, ist unklar. Weiterlesen am 13. Februar 2026 Fasnacht mit kritischen Zwischentönen Mit «D Lehrerschaft lauft drvoo» wählt die Allschwiler Fasnacht erneut ein kontroverses Motto. An der kritisierten Primarschule in Neuallschwil nimmt man es locker und feiert dennoch eine bunte Schulfasnacht. Weiterlesen Shahed Staub Das ist Shahed (er/ihm) Ein Quereinsteiger par excellence. Shahed war lange Zeit Konzertfotograf, bevor er über einen Abstecher im Sportjournalismus zu Telebasel kam. Dort absolvierte er seine Ausbildung und erlernte sein Handwerk. Bei Bajour wird dieses seit März 2026 weiter geschliffen. Kommentare Keine Kommentare vorhanden. Jetzt Mitreden Basel BriefingShopFrage des TagesUnterstützen Unsere BriefingsBasel BriefingFCB-BriefingFasnachts-BriefingArchiv ThemenKulturPolitikWirtschaftWochenkommentar Über unsKooperationTeamImpressumDatenschutzerklärungAGB