In Zeihen findet das Bergrennen des Fricktaler Cups nach jahrzehntelanger Pause wieder statt. Rund 130 Fahrerinnen und Fahrer bestreiten die 5,7 Kilometer lange Strecke von Hornussen über Zeihen hinauf zum Eichwald. Für den VMC Zeihen ist das Rennen ein Versuch, eine alte Tradition zum 75-Jahr-Jubiläum wiederzubeleben. Der 21-jährige Vincent Frey nimmt es gelassen: Nur wenige Sekunden stand der Rennradfahrer vom RMC Wittnau am Sonntagnachmittag auf dem obersten Podest des 38. Raiffeisen Fricktaler Cups 2026 in Zeihen, als man ihn wieder hinunter auf den zweiten Platz rief. Da ging der eigentliche Sieger der Kategorie Gentlemen kurz in der Statistik unter. Viel wichtiger als der erste oder zweite Platz ist für Vincent, dass ihm das Rennen von Hornussen über das Promillesträsschen nach Zeihen, durchs Dorf und den Eichwald hinauf viel Freude bereitet hat: «Es war eine super Strecke.» Claudia (50) und Beat (48) Schütter aus Zeihen haben ihr Mittagessen auf das Fest auf dem Gelände der Holzbaufirma Häseli verlegt, wo die Anmeldungen stattfinden und in Kürze die jungen Rennteilnehmer der Kategorien U11 und Piccolo (ab vier Jahren) starten werden. Sie sind nur zum Essen und Zuschauen zum Cup gekommen und finden es toll, dass er in Zeihen stattfindet: «Wir finden alles gut, was das Dorf belebt», sagen sie. Das Besondere am Bergrennen in Zeihen ist nämlich, dass es zuletzt 1982 stattfand, wie Claudias Vater Christian Meier (77) noch weiss. Claudia selbst war damals erst sechs Jahre alt, aber sie erinnert sich noch an die Zeiher Dorffeste, an denen der Velo-Moto-Club Zeihen (VMC) Rennen veranstaltete. Wiederbelebung eines traditionsreichen Bergrennens OK-Chef der Veranstaltung ist Rolf Basler. Er ist der Präsident des VMC – allerdings nur noch auf dem Papier. 2001 wurde er gewählt, als im Verein noch Velo gefahren wurde. Seit einigen Jahren habe der VMC aber mangels Mitgliedern die Aktivitäten eingestellt. Basler wohnt auch selbst nicht mehr in Zeihen. Weil das früher populäre Zeiher Bergrennen dieses Jahr aber sein 75-Jahr-Jubiläum feiert, wollte er das Rennen als Teil des Fricktaler Cups noch einmal auf die Beine stellen, wie er erklärt. Er freut sich, dass sich gut 20 Vereinsmitglieder und Angehörige als Helfer auf den Streckenposten und in der Administration engagieren. Er hat die Hoffnung, wenigstens das Rennen als Aktivität des VMC wieder regelmässig zu etablieren. Velosport mit starker Verankerung im Fricktal Am Ziel auf dem Berg beim Eichwald steht Thomas Mahrer von Swiss Cycling Fricktal. So nennt sich der Fricktaler Dachverband, eine regionale Ebene zwischen den Dorfvereinen und dem Kantonalverband Swiss Cycling Aargau und in dieser Funktion einzigartig im Kanton. «Das Fricktal ist geografisch etwas Besonderes», erklärt er. Immer wieder fahren einzelne Fahrer über die gelbe Ziellinie. Mahrer applaudiert oder ruft ihren Namen, wenn er sie kennt. Fahrzeiten notiert er keine; das läuft alles elektronisch. Er hakt nur die Nummern der Teilnehmer auf seiner Liste ab, um sicherzustellen, dass sie im Ziel angekommen sind. Am Vormittag fuhren alle erwachsenen Teilnehmer zunächst im Massenstart; jetzt fährt jeder der rund 130 Teilnehmer einzeln eine zweite Runde der 5,7 Kilometer langen Strecke. 14 aktive Velovereine gibt es laut Mahrer im Fricktal derzeit. Vor einigen Jahren seien es noch 20 gewesen, aber die übrigen leisteten eine gute Nachwuchsarbeit: «Velofahren hatte im Fricktal schon immer einen hohen Stellenwert.» Das Zeiher Rennen ist eines von fünf Rennen des Fricktaler Cups in diesem Jahr. Teilnehmer aus der ganzen Nordwestschweiz Die weiteren finden am 4. Juli in Kaisten, am 12. September in Gansingen und am 18. Oktober in Wittnau statt. Der Cup erfreut sich hoher Beliebtheit: Nicht nur die Nachbarn aus Bad Säckingen, Waldshut-Tiengen, Gelterkinden und Schneisingen fahren mit, auch aus dem Bernbiet und dem Züribiet sind die Fahrer angereist. Die Familie Steurs kommt etwa aus Uster ZH. Die beiden Mädchen Lynn (4) und Freya (6) fahren in der Piccolo-Kategorie mit. Freya sitzt sogar auf einem Kinder-Rennvelo. «20 Zoll», erklärt Papa Karel, «das war nicht einfach zu finden.» Im Verein in Uster böten sie Rennvelos erst ab 24 Zoll Reifendurchmesser an. Die beiden jungen Rennfahrerinnen fuhren dieses Jahr bereits in Liechtenstein und am Albispass. Lynn schafft die 2,3 Kilometer lange Kurzstrecke in Zeihen mit 8:52 Minuten auf dem Mountainbike sogar noch vor ihrer grossen Schwester.