Mit seinen beiden zum Himmel ragenden Masten gleitet der Schoner ruhig zwischen den Eisschollen des Ikersuaq-Fjords an der Südwestspitze Grönlands dahin. Über der wilden arktischen Landschaft schwebt ein technisches Meisterwerk: ein mit Helium gefüllter Ballon transportiert die Mini-Forschungsstation Avatar – durch einen Flügel stabilisiert und mit einem feinen Seil am Schiff befestigt. Der Konstrukteur Roman Pohorsky reichte beim SNF-Bilderwettbewerb 2026 eine Foto ein, die den Jungfernflug verewigt. Im Sommer 2025 ging der Postdoktorand der EPFL an Bord des Segelschiffs Forel, das mit sechs Forschenden und sechs Besatzungsmitgliedern die Arktis durchquert. Akribisch bereitete er den ersten Test von Avatar vor: «Ich plante anderthalb Stunden für den Start ein, genügend Zeit, um allfällige Probleme zu lösen.» Eine verklemmte Seilwinde etwa oder ein abgerissener Platinenstecker. «Letztendlich hat es nur fünf Minuten gedauert», lacht der Atmosphärenwissenschaftler. «Wenn man auf Start drückt und den Versuch unterwegs nicht anpassen muss, läuft alles autonom, bis die Station wieder unten ist.» Roman Pohorsky Sein Prototyp funktioniert einwandfrei: Der Bordcomputer steuert über die Seilwinde die Flughöhe und die Messungen in der Probenkammer. «Wenn man auf Start drückt und den Versuch unterwegs nicht anpassen muss, läuft alles autonom, bis die Station wieder unten ist.» Der Forscher kann also getrost mit einer Drohne Fotos machen, während die Laser von Avatar Anzahl, Grösse und Zusammensetzung der Partikel in der Luft messen. Das Ziel der Mission: die Aerosole über Fjorden zu vergleichen. Denn diese begünstigen die Kondensation und damit die Bildung von Tröpfchen und schliesslich Wolken. «Es ist sehr wichtig, die Auswirkungen des schmelzenden Eises auf atmosphärische Phänomene bei den Polen zu antizipieren, da das Folgen für das globale Klima haben kann», erklärt Pohorsky. Sein System wird weiter dazu beitragen: Eine Einheit bricht im Juli 2026 an Bord der Tara Polar Station in die Arktis auf, während eine andere ab 2027 vom Forschungsschiff Polarstern aus die Antarktis überfliegen wird.
Hoch über der Arktis schwebt ein technisches Meisterwerk